Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
«Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst.» lautet ein Sprichwort. Krieg ist die stärkste und zugleich grausamste Form der Macht. Der freie Wille wird niedergerungen und ausgeschaltet. – Wahrheit ist zusammen mit der Gerechtigkeit die Spitze der Ethik. Was dem Menschen erst seine Würde gibt, ist die Freiheit zur Wahrheit. Die Wahrheit ist nur dort wahrhaft möglich, wo Friede ist. Wo rücksichtslose Macht am Werk ist, ist die Wahrheit nur noch Ohnmacht. Wer dennoch an ihr hängt und zu ihr steht, der ist immer auf der Flucht, er muss um sein Leben fürchten. Ein chinesisches Sprichwort sagt: «Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.»
  
Ist der exzessive Krieg aber der einzige Gegner der Wahrheit? Oder ist vielleicht bei manchen Menschen und Organisationen das Geld zu einer Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln geworden? Sind das die «Zeichen der Zeit»? Irgendwie ist es so: Wer die Macht hat, meint auch, er könne bestimmen, was Wahrheit ist. Wer zu wenig Macht dazu hat, sammelt Geld, um genügend Macht zu bekommen und verbreitet dann Pseudowissen und Halbwahrheiten – aber nicht die «ganze Wahrheit». Dieser wird immer wieder und überall auf der Erde Gewalt angetan; sie liegt am Boden, in Staub und Schlamm, mit Füssen getreten. Wer wird sich in einem Klima bedrohlicher, offener und verborgener Repressionen getrauen, sie aufzuheben und zu tragen. Wer sie, die Wahrheit, trotzdem aufhebt und das Zeichen der grössten Menschenwürde trägt, dem wird es eine höhere Instanz verdanken. «tragen» heisst in einem älteren Deutsch «burden» (bürden) – Partizip perfekt passiv: «geburt». Aber die Menschen haben Angst und sind mit dem Erwerb von Geld beschäftigt. Die einen sind dabei betrunken von einer Gier und träumen schrankenlos von einer immer grösser werdenden Zahl, die sie angeblich besitzen können oder an der sie Anteil haben können. Nicht die Wahrheit ist ihnen wichtig sondern nur das Geschäft. Die anderen haben wiederum kaum genug, um ihr kümmerliches Leben fristen zu können. Sie strampeln sich ab, und bleiben stets so arm wie zuvor. Doch sie alle, die dem Geld, der dunklen Seite der Macht, nachjagen, haben der Wahrheit den Rücken zugekehrt, berauscht mit dem Pseudowissen, was sich alles mit ihrer wachsenden Macht anstellen lässt, oder hoffnungslos niedergeschlagen in der täglichen Ohnmacht.
  
Wenn wir die Wahrheit und den Frieden symbolisch (allegorisch) als Person darstellen müssten, wie sähe sie aus? – Gebunden und geschunden steht Jesus vor Pilatus, die Diskussion über die Aufgabe Jesu endet mit der Frage des Römers: «Was ist Wahrheit?» (Joh 18,38) Er musste es ja wissen, denn seine Macht als Statthalter der Weltmacht Roms war nicht besonders gross. Die Hohenpriester am Tempel hatten eine grössere Macht und konnten jederzeit in Rom vorstellig werden und seine Absetzung bewirken. Sie bestimmten, was wahr und gerecht sein sollte. – Im Gegensatz dazu werden im Neuen Testament Wahrheit und Frieden auf Jesus bezogen (Joh 14.6, bzw. Eph 2.14), den Menschensohn (etwa in Mk 13.26 u. 14.62 – hebräisch: ben adam), der verworfen wird, leidet und in Ohnmacht stirbt. Die Krone des Menschseins wird niedergemacht und beseitigt. Die Wahrheit ist die Krone des Seins, der Menschenwürde. Jahrhunderte später lässt der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski den Grossinquisitor Jesus fragen: «Warum bist du gekommen, uns zu stören? … Schon morgen jedoch werde ich dich verurteilen und als den schlimmsten aller Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennen, und dasselbe Volk, das heute deine Füße geküsst hat, wird morgen auf einen Wink meiner Hand herbeistürzen und Kohlen für deinen Scheiterhaufen heranschaffen.?» (in: Die Brüder Karamasow)
  
Und heute? Finanzkrisen schütteln die virtuelle Welt der Menschen. Die Macht dieser Erde in ihrer dunklen Seite schreckt auf. In ihrem Unwissen, begehen die Verantwortlichen, die sich für weise halten, einen Fehler nach dem anderen. Da kauft etwa ein Staat (nicht die Schweiz) eine Bank (erwirbt deren Mehrheit), bei der wiederum andere Staaten grosse Schulden haben. Er hätte dieses grosse, internationale Geldinstitut auch dem Bankrott überlassen können, dann wären nicht nur die Guthaben der Kunden der Bank weggewesen sondern auch Teile der Schulden der Staaten, Griechenland, Spanien, Island, USA etc. In Europa baut ein Land mit Hilfe des Geldes seine Macht gegenüber anderen aus, obwohl es selbst die grössten Schulden hat und eigentlich ohnmächtig ist. Da liegt die Wahrheit völlig im Dreck. Und wenn die Macht des Geldes bedrohlich zu schwinden scheint, wer muss dann diese Ohnmacht am meisten spüren? Die Armen, die schon am Boden liegen, genauso wie eben die Wahrheit selbst – ob dann in Griechenland oder in Deutschland oder anderswo. Ist da Frieden noch möglich? Der Friede als die helle Seite der Macht? Hell, lichtvoll, lebensbejahend? Oder ist das nur ein Gedanke der Utopie von weltfremden Idealisten? Wahrheit und Frieden sind letztlich ein und dasselbe, in einer wertfremden Welt fallen gelassen und vergessen. Bruder Klaus wehrt sich aber dagegen.
  
Anscheinend haben manche Politiker es noch nicht richtig erkannt, dass einige Banken und Rating Agenturen sowie sonstige unmoralische Spekulanten einen Krieg gegen die Völker führen. Sie, die Volksvertreter, verhalten sich falsch und können die Tragweite ihrer Fehler offensichtlich nicht richtig einschätzen und vor allem nicht rechtzeitig. Staaten zeichnen Anleihen oft bei Banken im jeweiligen Ausland, wo wiederum dessen Politiker glauben, diese Banken, koste es was wolle, vor dem Bankrott retten zu oder für deren Pleite eine Staatsgarantie übernehmen zu müssen. Doch die Vöker wollen das nicht, sie wollen Frieden nicht Krieg. Die Spirale der «Gewalt» dreht sich weiter. Dass diese Eskalation kein gutes Ende nehmen wird, sollte jedoch irgendwie einleuchtend sein.
  
Geld und Armut … Wahrheit als Ohnmacht … der Dank für diejenigen, welche die höchsten Werte des Menschseins hochhalten, das sind Themen, die in einer schönen Schilderung in den drei wichtigsten Visionen des Klaus von Flüe zu finden sind – nach der Überlieferung seines Enkels, Caspar am Büel (Ambühl): Pilgervision, Brunnenvision und Dankesvision.
  
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Donnerstag, 11. März 2010 03:06 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 02.03.2010 14:17:49