Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Und das Brot der Armen?
  
Die Konfrontation der Werte in der Brunnenvision
Und wie ist es im 21. Jahrhundert
 ?
  
   Die Brunnenvision von Bruder Klaus wurde von seinen Nachkommen mündlich überliefert und schliesslich in zwei Versionen schriftlich festgehalten:
1. Caspar Ambühl (am Büel), Quelle 068
2. Heinrich Wölflin, Quelle 072
Synopse beider Versionen
In der Bilderreise, die der Bauer Klaus von Flüe imaginativ erlebt, wird eine Konfrontation sichtbar zwischen den «inneren Werten» und dem Geld als bloss virtuellen, materiellen Wert. In der Realität des 21. Jahrhunderts zeichnet sich nun eine immense Verstärkung der Konfrontation ab:
  
1.) Die Zunahme des natürlichen und lebensnotwendigen Gases Kohlendioxyd (CO2) würde die Erde insgesamt derart erwärmen, dass daraus Katastrophen folgen würden. Da nun aber die Ursache hauptsächlich in der Verbrennung fossiler Brennstofe (Erdöl, Ergas, Kohle) liege, müsse hier der Ausstoss des Gases reduziert werden, und zwar mit Hilfe des Geldes (Abgaben, Zertifikate). Das Geld als Regulativ? – Vorweg, dass die Menschen in ihrer Vielzahl und in ihren Wahnvorstellungen das Klima beeinflussen, die Natur stören und Stück für Stück zerstören, ist wohl wahr, aber wie man diesem Unwesen entgegen wirken kann und soll, das ist überhaupt nicht klar, weder in den Vorstellungen noch in der Realität.
  
2.) Schuld an der Klimaverschlechterung sei auch das Roden von Urwäldern in Südamerika und Indonesien. Das stimmt, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn CO2 ist in absolut natürlichen Vorgängen abbaubar, durch das Chlorophyll in den Pflanzen (Photosynthese), wodurch zusammen mit Wasser Zucker in verschiedenen Formen gebildet und Sauerstoff freigesetzt wird. Es ist moralisch nicht akzeptabel, die Schuld immer nur bei den Anderen zu suchen und die eigenen Fehler zu ignorieren. Denn durch das grenzenlose Überbauen von Grünflächen wird weltweit, und ganz besonders in Europa, der erwähnte natürliche Zyklus massiv gestört. Es ist nicht einfach allein die globale Erwärmung schuld am Zunehmen heftiger Stürme sondern vielmehr dies: Betonwüsten wuchern wie Krebsgeschwüre, scheinbar ohne Ende. Und nicht vergessen darf überdie auch, dass durch die Bauerei an vielen Orten das Grundwasser verdrängt wird, teils wird das in Kaufgenommen, teils wird aber geplant eine Grundwasserabsenkung vorgenommen. Sodann kann es später auch zu Problemen in der Versorgung mit sauberem Trinwasser kommen.
  
3.) Aus den in den Pflanzen gespeicherten Zuckerformen können via «Biomasse» flüssige Brennstoffe (Ethanol) erzeugt werden, oder es können brennbare Öle herausgepresst werden. Autos, Schiffe und Flugzeuge können sich damit fortbewegen. Beim Verbrennen wird gleich viel CO2, wie die Pflanzen vorher der Luft entzogen haben. Das hat aber einen grossen Haken: Durch diese Gebrauchsverlagerung werden Getreide und Pflanzenöle als Nahrungsmittel knapper. In den USA werden derzeit (2007, 2008) pro Jahr 138 Millionen Tonnen Mais zu Biotreibstoffen verarbeitet. Eine nicht absehbare Preissteigerung ist in Gang gekommen. Das alles wird noch kumuliert durch das bereits erwähnte grenzenlose und schamlose Wuchern der Überbauung von fruchtbarsten landwirtschaftlichen Nutzflächen, wo am Ende nur Wüste zurückbleibt. Die Nahrungsmittel werden teurer und sind bald einmal für die Armen dieser Erde nicht mehr bezahlbar. Das beginnt schon damit, dass die UNO die Hilfe an Nahrunsmitteln stark einschränken muss. Dabei ist das nur der Anfang eines globalen Verteilungskampfes, der zu Lasten der Armen geht. – Unverfroren wird dann auch noch behauptet, es würde etwas für den Klimaschutz getan, wenn Pflanzen zu Biogas oder Ethanol aufbereitet werden (Beispiel: TV-Werbung des deutschen Energiekonzerns « e·on », wo ein Bauer mit seinem Traktor in der Landschaft herumfährt). Das aber ist reiner Zynismus, denn die Rechnung stimmt so überhaupt nicht. Es werden nämlich in der Tat nicht mehr Pflanzen angebaut, welche den Kohlendioxydgehalt in der Atmosphäre effektiv reduzieren könnten. Stattdessen wird denjenigen Menschen die Nahrung weggenommen, die des Geldes nicht mächtig sind. Ebenso kann die Rechnung nicht aufgehen, wenn man zum Zweck der Energiegewinnung Wälder, ja ganze Ökosysteme vernichtet, die effektiv etwas für den Klimaschutz tun können, indem sie eben mehr CO2 abbauen und dabei Sauerstoff abgeben. Zudem ist zu bedenken: Damit die Photosynthese ablaufen kann, braucht es Wasser für die Wurzeln der Pflanzen. Wenn nun im Übermass Wälder gerodet sowie Wiesen und Äcker in Wüsten verwandelt werden, wird der Wasserhaushalt in der Atmosphäre empfindlich gestört – wieder nicht zu vergessen: das abgesenkte Grundwasser. Anscheinend wollen jedoch viele Verantwortliche nichts davon wissen, dass auch dieser Aspekt mit dem zu schützenden Klima zusammenhängt. Zur Destillation von Ethanol wird nochmals Wasser benötigt, für 1 Liter Ethanol braucht es 4000 Liter Wasser. Woher aber nehmen? Beim Nestlé-Konzern nimmt man jetzt die ganze Tragweite dieser Form der Energiegewinnung sehr ernst – sie ist ein Irrweg.
  
Noch vor Jahren wurde gejammert wegen der Überproduktion an Nahrungsmitteln in Europa. Doch mittlerweile sieht es völlig anders aus. Und es wäre bereits jetzt höchste Zeit, angesichts des zunehmenden Hungers in der Welt, wieder mehr Ackerflächen zu nutzen, statt sie für das blosse und teilweise sinnlose Vergnügen bereitzustellen. Wenn Lebensmittelverkaufsketten schon den Schein des globalen Handelns vorlegen, dann sollen sie auch globale Solidarität beweisen und ihre Golfplätze wieder zu Äckern umpflügen lassen. Der Gipfel des Paradoxen wäre gerade hier, wenn die Reichen mit Biosprit den Weg zum Golfplatz hin und zurück fahren und so den Armen ihr Brot wegnehmen würden. Doch vielleicht erkennen Viele den Ernst der Lage erst, wenn die vordem reichen Länder demnächst an Nahrungsnot leiden müssen.
  
Wo sind denn die inneren Werte geblieben? Geldgier und Grössenwahn bringen einige Menschen völlig um den Verstand. Das führt nicht erst zur Katastrophe, es ist die Katastrophe, schlimmer als eine Heuschreckenplage. Und was geschieht bereits heute mit den Menschen, die mit diesem Wahnsinn nicht mehr Schritt halten können? Sind alle einfach bloss faule Nichtsnutze? Nein, ohne Gerechtigkeit kann es keinen Frieden geben.
  
1855 sagte Seattle, der Häuptling der Duwamish-Indianer, als er zum Verkauf des Landes seines Volkes gezwungen wurde: «Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann!» – Es darf nicht hingenommen werden, dass die Reichen den Armen das Brot vorenthalten, die Nahrung blockieren, nur weil sie diese Nahrung missbrauchen wollen, um unvernünftig, sinnlos in der Weltgeschichte herumzurasen oder herumzufliegen, und dazu immer mehr Luxuspaläste bauen, statt das Wachstum des Korns zu fördern. Wo ist denn da die angebliche «Göttlichkeit» des Menschen zu sehen, von denen etwelche Gurus schwafeln? Die Qualität des Menschlichen sinkt vielmehr gewaltig. In der Bibel heisst der Gegenspieler des Guten und Sinnvollen «Satanas». Den Armen das Brot vorzuenthalten und die Erde in eine Wüste zu verwandeln, das ist satanisch. Und so ist das Geschwätz um den Klimawandel ziemlich kleinkariert, es operiert nur mit Halbwahrheiten und lenkt nur ab. Wie gesagt: Wenn Geldgier und Grössenwahn immer mehr zunehmen, kann nichts besser werden. Am Ende gibt es nur Verlierer, wie in der Brunnenvision, wo alle, trotz des Geldes, als Arme dastehen.
  
Einen konsequenten Kontrapunkt zum Geld-Wahnsinn finden wir auch in der Bibel. In einer Vision im Buch Jesaja ist die Hoffnung noch nicht gestorben: «Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!» (Jes 55,1) Dieses Bild zeigt einen extremen Kontrast zur Praxis im 21. Jahrhundert. Ein beinahe unerreichbares Ziel? Wer möchte den Weg dorthin gehen? Aber die Richtung stimmt dennoch: Das Geld darf nicht mehr die alles beherrschende Rolle im Leben der Menschen sein, denn sonst ist ein friedliches Zusammenleben der Menschen nicht möglich.
  
Werner T. Huber
  
Der Autor erreichte bei der Matura in den Fächern Chemie und Physik je die Bestnote 6/6; er besitzt seit vielen Jahren kein eigenes Auto und sass noch nie in einem Flugzeug.
  
Foto: Neues Grün in der Frühlingssonne, Werner T. Huber 1968
  
  
Die Brunnenvision von Bruder Klaus
  
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