Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Umbettung der Gebeine
  
Quelle Nr. 216

  

  
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Zeit: 21. März 1518
  
Herkunft: a) Ulrich Wittwyler (bzw. auch Witwyler), Wahrhaftige wunderbarliche Histori und leben des ... Nicolausen von der Fluo (den man nennt Bruoder Claus) ..., Zentralbibliothek Zürich (Stadtbibliothek G. XXV. 1024), unpaginiert, S. 54; – b) Akten vom Sarner Prozess 1591, S. 88; – c) J. J. Eichhorn, Historia F. Nicolai des Saxo, eremitae Undervaldensis ..., Pariser Manuskript 1607 (lateinisch – mit der Bearbeitung von Wölflins Biographie) Bibl. national Paris, cod. latinus 5618, S. 92/93, ferner in der gedruckten Wölflin-Ausgabe von 1608 und in: Wundergestern der Eydgnossschaft ..., Konstanz 1611, S. 112ff.; – d) Eichhorn Catalogus Saxlensis, Anhang im Sachsler Kirchenbuch, S. 50; – e) Prozessakten 1647; – f) Prozessakten 1654; – g) Prozessakten 1654 (Inspektionsbericht).
  
Kommentar: Am 21. März 1518, genau 31 Jahre nach dem Tod von Bruder Klaus, wurden seine Gebeine (Reliquien) zur besseren Verehrung aus der Erde herausgenommen und in der Kirche neu bestattet. Was heisst nun das genau? – Eigenartig ist die ganze Prozedur: Unten in den Sarkophag wurde der alte Grabstein, bzw. die alte Grabplatte gelegt, darauf ein Eichensarg mit den Gebeinen, darüber die Deckplatte. Diese wurde gemäss einer Aussage im Prozess 1654 in Basel gemeisselt (Robert Durrer hält dies für gesichert, Quellenwerk, 1166). Vermutlich ist sie das Werk des gleichen Bildhauers wie die 1513 entstandene Figur am Sakramenthäuschen (Quelle 211); der Stein war beidemale gleich, ein Sandstein, vielleicht sogar aus dem Jura, aus dem Birstal (Laufental). Was diente dem Bildhauer als Vorlage für die Gesichtszüge von Bruder Klaus? Wahrscheinlich benützten zudem die gleiche Vorlage sowohl der Holzschneider des 1514 erfolgten Druckes von Pamphilius Gengenbach (Quelle 213), als auch der Goldschmied Kaspar Angelroth für die Basler Monstranz (Quelle 211). Die Betrachtung des Reliefs lässt darauf schliessen, dass letztlich das Altarbild von 1492 die Vorlage für eine Skizze war usw. In den Jahren 1513 bis 1518 war die Stadt Basel für Bruder Klaus gleich fünf Mal von grosser Bedeutung, nimmt man das der Tagsatzung gewidmete Lobgedicht von Heinrich Glarean (Quelle 214) und das Druckwerk «Der ewigen wisheit betbüchlin» mit Gedenkreim und Wahlspruch von Bruder Klaus (Quelle 217) hinzu.
  
1600–1603 wurde die Umgebung des Grabes baulich um eine Seitenkapelle (bzw. Nebenchor) erweitert (siehe Quelle 304). Vorher, seit 1518 befand sich der steinerne Sarkophag unmittelbar an der Aussenwand der Kirche und wurde dort nicht mehr durch eine zusätzliche Platte verschlossen. – Was war jedoch vor 1518? Robert Durrer (Quellenwerk, 940 und 1163ff.) meint auf Grund von Zeugenaussagen des Prozesses von 1625, Bruder Klaus sei in der Erde auf dem Friedhof, nahe der Kirchenmauer beigesetzt worden. Das gleiche besagen auch die Inspektionsberichte in den Prozessakten von 1618 (Quelle 307) und 1654 (siehe hier, unten Text g). Der erste Grabstein war jedoch eher eine Deckplatte gewesen, die ebenerdig gelegt wurde. Ziemlich sicher wurde der Eremit demnach in der Kirche in die Erde hinein bestattet. In diese Richtung weist dem Wortlaut nach auch der Quellentext von Renward Cysat (1591). Diese Tatsache wurde bereits früher schriftlich fixiert: um 1518 durch den St. Galler Priester Hermann Miles (Quelle 218), der zudem angibt, am Begräbnistag (28. März 1487) selber in Sachseln gewesen zu sein; Miles war wiederum befreundet mit Joachim von Watt (Vadian), der um 1531 sogar die Lage des ersten Grabes in der Kirche zum ersten Mal genauer beschreibt (Quelle 231): auf der rechten Seite vor dem Chor. Um 1521 schrieb ebenfalls Sebastian Rhaetus (Ranftkaplan) von einem Begräbnis in der Kirche von Sachseln (Quelle 221, § 27), desgleichen bereits 1493 Hartmann Schedel in seiner Weltchronik (Quelle 060), und noch früher, 1488 heisst es im Sachsler Kirchenbuch (Quelle 053) über den Bischof von Lausanne: «sobald er in die kilchen zuo Bruder Clausen grab komen ...». Von Heinrich Wölflin, dem offiziellen Biographen (Quelle 072), wird im Jahre 1501 der genaue Begräbnisort (in oder ausserhalb der Kirche) nicht genannt; Wölflin schreibt: Bruder Klaus wurde zum Tempel Gottes ... (ad templum divi ...) getragen und dort begraben. Über das Pro und Contra vgl. die Liste auf dieser Website bei Quelle 043.
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 618–621 u. 1171–1172 (sowie Tafeln V und VI)

  

   a) [Wittwyler 1571]
  
Und hier ist nicht zu verschweigen, besonders wegen den Pilgern, welche Bruder Klausens Grabstätte besuchen oder wissen wollen: Die Gebeine dieses seligen Mannes sind aus dem Erdreich enthoben worden, wohin er vorher begraben worden war. Dies geschah durch eine ehrwürdige Priesterschaft, die sich hier 1518, am Tag des heiligen Benedikt [21. März] versammelte und die oben erwähnten Gebeine wiederum mit grosser Ehrerbietung in ein herrliches steinernes Grab gelegt wurden, in Sachseln in der Pfarrkirche zu sehen. [...]
    
b) [Renward Cysat, Akten 1591]
  
Danach wurden seine Gebeine im 31. Jahr nach seinem Absterben, nämlich am Tag St. Benedikt des Jahres 1518 durch eine ehrwürdige Priesterschaft, die sich in der Pfarrkirche von Sachseln versammelte, dort aus der Erde herausgehoben, wo sie zuerst begraben wurden. Und diese wurden wiederum in ein aus Stein gehauenes Grab mit grosser Ehrerbietung gelegt und verschlossen mit nachfolgendem Epitaph [...]
     
c) [Johann Joachim Eichhorn, Pariser Manuskript 1607 und Wundergestern ... 1611]
  
Nun, da Gott die Heiligkeit seines Dieners immer mehr durch mancherlei Zeichen und Wunder zuerkennen gab, wurde für gut befunden, die Gebeine des seligen Mannes etwas gebührender zu bestatten. Deswegen versammelten sich am Tag des heiligen Abtes Benedikt [21. März] im Jahre 1518 in Sachslen der Bischof von Lausanne [Sebastien de Montfaucon, 1517–1536], die Äbte [der Abt] von Engelberg und [der Probst von] Interlaken [Probstei der Augustiner Chorherren, 1528 aufgehoben] – deren Namen zum Andenken ihres Kommens der Vergesslichkeit überliefert sind [d.h. sie wurden nicht notiert]. und der ganze Klerus von Unterwalden. Diese haben nun die Reliquien aus dem Grab entnommen und mit grosser Reverenz [Ehrerbietung] in eine neue Truhe oder Sarg aus Eichenholz gelegt. Der Deckel wurde mit starken Leistnägeln befestigt. Anschliessend hatte man am gleichen Ort, wo zuvor das alte Grab war [wörtlich: Mox eodem in loco, ubi sepulchrum prius fuerat ...], ein herrliches Monument aus Stein errichtet, dahinein wurde zuerst der alte Grabstein [bzw. die alte Grabplatte] gelegt, worauf sich sehr kunstvoll das gemeisselte Bild von Bruder Klaus erhebt. Auf diese Statue [bzw. Relief] wurde der hölzerne Sarg mit den Reliquien gestellt und zugleich auch eine Kapsel mit dem besiegelten Brief des Bischofs von Lausanne (dies wurde so aufgefunden, als im Jahre 1600 die Kirche von Sachseln erweitert wurde und man der Not wegen das Grab auf einer Seite öffnen musste; ferner ist zu wissen, dass der besagte bischöfliche Brief wegen der Feuchtigkeit der Mauern verfault war, das Siegel aus rotem Wachs war jedoch frisch und unversehrt gewesen). Das neue Monument wurde mit einem Stein bedeckt, wo abermals ein gewaltiges Bildnis von Niklaus heraus als Relief herausgehauen war, versehen mit dieser Inschrift: Bruder Nicolaus von Flüe verliess Frau und Kinder und ging in die Wildniss, er diente zwanzig weniger ein halbes Jahre lang Gott ohne leibliche Speise, er starb am Tage St. Benedikt anno domini 1487. – Zuletzt wurde das ganze Grab mit einem eisernen Gitter umgeben und gesichert. Es wurde mit vielen brennenden Ampeln [Öllämpchen] geziert und verehrt.
  
[Etwas seltsam mutet es an, dass nicht der für Sachseln zuständige Diözesanbischof von Konstanz oder sein Generalvikar am 21. März 1518 diese Zeremonie leitete sondern sein Amtskollege aus Lausanne. Bischof Sebastien de Montfaucon hatte als Vor-Vorgänger Benoît de Montferrand, 1476–1491, der 1487/88 mit einem kranken Bein zum Grab kam, dessen Vorgänger war Giuliano della Rovere, der 1513 verstorbene Papst Julius. II. – 1518 fällt in das Pontifikat von Leo X. (Giovanni di Medici); in Konstanz war zu dieser Zeit Hugo von Hohenlandenberg (geboren im Schloss Hegi bei Winterthur) Bischof, der wegen eines Konflikts mit der bürgerlichen Stadtregierung vorwiegend in Meersburg residierte. Konstanz war kurz vor der Einführung der Reformation. – Giuliano della Rovere war als Papst und schon vorher als Grosspönitentiar eher kein Verehrer von Bruder Kaus; wohlwissend um die Folgen empfahl er sogar die Verlegung der Ruhestätte des Eremiten aus der Sachsler Pfarrkirche in den Ranft (Quelle 059).]
     
d) [Eichhorn, Catalogus Saxlensis]
  
Meister Bonaventura, Schlosser in Luzern, hat das Gitter gemacht um das Grab von Bruder Klausens Grab. Anno 1518.

 [Situation des Grabes von Bruder Klaus mit einem schweren Eisengitter umgeben
zwischen 1603 und 1679 (vor dem Neubau der Kirche),
Bruder-Klaus-Zyklus in Emmaus, Zufikon bei Bremgarten Aargau]

  
Zyklus Emmaus

    
e) [Balthasar von Flüe, Prozessakten 1647]
  
Habe den Bericht gelesen, welchen Herr Eichhorn zusammentrug, habe [jedoch] wohl ältere gesehen, wie auch er selber, ein von Hand auf Papier geschriebenes altes Büchlein [vielleicht von Sebastian Rhaetus, Quelle 221] vom Leben des Bruder Klaus, das er dem Herrn Jud zur Ansicht übergab ... So lange er [Balthasar von Flüe, 1647] gedenke, habe sich das steinerne Grab in der Kirche befunden, darin Bruder Klaus liegen soll, so wie er es auch immer gehört habe und es die gemeine Sage sei. Und dies bezeuge das oben erwähnte alte Büchlein, dass ungefähr 24 Priester nach dem Willen Gottes zusammen gekommen waren, um der Translation [Umbettung] beizuwohnen, als man ihn aus der Erde herausgehoben und in das steinerne Grab legen wollte.
     
f) [Melchior von Flüe, Prozessakten 1654]
  
[...] Das Bild das jetzt auf dem Grabstein zu sehen ist, soll in Basel gemeisselt worden sein.

Grabstein aus Basel
  
g) [Prozessakten 1654, Inspektionsbericht zur Graböffnung]
  
Als die gestern [17. Juli 1654] mit dem Herrn Subpromotor verabredete fünfte Stunde nahte, wurden die Kirchentüren geschlossen und die Herren Richter mit dem Subpromotor begaben sich zum Grabe ... Bald war das Grab von aussen gemustert. Es ist viereckig, die Wände bestehen aus solidem, grauem Sandstein, ihr einziger Reliefschmuck zeigt obenhin einen Bogenfries von verschlungenem Astwerk. Auf der Platte, die jene vier steinernen Wände deckt und schliesst, ist das Bild des Bruder Klaus, in der Auffassung, wie er stets dargestellt zu werden pflegt, ausgehauen. Des Schmuckes halber hat der Bildhauer neben dem Haupte und den Füssen die Embleme der vier Evangelisten angebracht. Am Rande der erwähnten Platte aber sind in altertümlicher, schwer lesbarer Schrift die Worte eingehauen: «Anno MCCCCLXVII [1467], da ist der seelig Bruder Clauss von Flue gangen von Weib und Kindern in die Wieste, Gott dienet XX halb Jahr, ann libliche Speiss ist storben an St. Benedict Tag Anno MCCCCLXXXVII [1487]. Hie lit er». Auf der vierten Seite des Randes gegen die neue Kapelle ist eingegemeisselt: «Sein Begräbnuss ist herrlich an. 1600 ernewert» [siehe: Quelle 304]. Diese steinerne Tumba ist überall mit einem starken, netzförmigen Gitter abgeschlossen und geschützt, das einen einzigen Zugang tagsüber offen lässt, wodurch die frommen Pilger mit dem Körper das Grabmal berühren und die Statue des Nikolaus küssen können. Von den Lampen, die darüber hängen und Licht ausstrahlen, ist schon oft die Rede gewesen [siehe: Quelle 238].
  
Inzwischen öffneten die Schlosser und Maurer die eisernen Riegel, die die Steine der der Marien-Kapelle zugewandten Seite festhielten. Nachdem diese Hindernisse entfernt waren und das Grab auf dieser Seite offen war, sah man den gesuchten, etwa drei Fuss langen Eichensarg, der auf dem [ersten] Grabsteine stand, mit dem Bruder Klaus zuerst, als er ausserhalb der Kirche auf dem öffentlichen Friedhofe beigesetzt war, wie die Geschichtschreiber berichten [diese schrieben jedoch von einem Begräbnis in der Kirche, siehe oben im Kommentar], bedeckt worden. Auf diesem Stein ist das Bild des Nikolaus in schöner Arbeit eingemeissselt, in Lebensgrösse, die Hände gekreuzt, mit flatterndem Haar, bloss an Haupt und Füssen, als einziges Kleid die Kutte. Die Inschrift dieses Grabsteines lautet: «Hie lit bruder Clauss von Flue seelig, der verschiden ist uff Sant Benedictus tag, dem Gott gnädig sig, 1487». Der Sarg wurde auf Befehl der Herren Richter von zwei Priestern aus dem Grabe gehoben und auf den nahen Muttergottesaltar gestellt, dann wurde der Deckel nach Ausziehen der Holznägel ehrerbietig abgehoben. Man fand grosse und kleine Knochen in grosser Zahl, zweifellos alles vollständig, ausser dass einige durch Alter und Feuchtigkeit zermürbt waren. Der kastanienfarbige Schädel wurde auf die übrigen Knochen gelegt und alles auf dem besagten Altare dem Anblick und der Verehrung der Umstehenden eine Zeitlang ausgesetzt, dann wieder in den Sarg verschlossen und am frühern Orte, in dem steinernen Grabmal geborgen.
    
  
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