Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Die fünfzehn Passionsbetrachtungen
  
Quelle Nr. 055

  

  
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Zeit: um 1490
  
Herkunft: Illuminiertes Gebetbuch, aus dem Schwarzwälder Benediktinerkloster St. Georgen, ursprünglich jedoch aus Bayern stammend, in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Cod. Perg. Germ. XLV, St. Georgen Nr. 41, fol. 63v–68r, geschrieben von «Peter Arct diezeitt richter in Vells ...» Das Jahr 1490 bezieht sich auf die Illuminierung ... (div. Sekundärliteratur über die Handschriften in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe).
  
Kommentar: In zahlreichen Berichten über Bruder Klaus wird darauf hingewiesen, dass der Kern seines Einsiedlerlebens in der Betrachtung des Leidens Christi [Leiden Jesu, Passion Jesu, Passion Christi] bestand (vgl. Quelle 005). Ein unbekannter Dominikaner schilderte die Zusammenhänge noch etwas genauer: Der Flüelibauer wurde innerlich immer unruhiger, Depressionen traten auf, die immer stärker wurden. Obwohl er sich oft in die Einsamkeit zurückzog und viel betete, konnte er keine wesentliche Linderung seiner seelischen Beschwerden erfahren. Bis ein priesterlicher Freund ihm empfahl, es doch mit der Betrachtung des Leidens Christi zu versuchen. Tatsächlich erwies sich diese Art des Betens und Meditierens als die geeignete Arznei.
  
Bruder Klaus konnte weder lesen noch schreiben, also musste er den vorgegebenen Inhalt der fünfzehn Passionsbetrachtungen auswendig lernen. Es ist aber anzunehmen, dass sich bei ihm im Laufe der Zeit auch Variationen herausbildeten. Der Einsiedler konnte damit ganze Vormittage verbringen. Für die Zählung der einzelnen Abschnitte benutzte er eine Schnur mit Perlen, das sogenannte «Bätti» – also keinen eigentlichen Rosenkranz.
  
Das seelische Leiden war für Bruder Klaus ein qualvoller Unfriede, eine Bedrohung durch innere Feinde (Existenzängste). Bereits in der dritten Betrachtung bittet er Christus um die Kraft, diesen inneren Anfeindungen wiederstehen zu können; im fünften Abschnitt fleht er, daß er doch bereits in diesem Erdenleben von diesen Feinden befreit werde, damit sie seiner Seele nicht schaden können. In der vierzehnten Betrachtung will er sich durch den Leib Christi retten lassen; er bittet, Christus möge seine Seele in den tiefen Wundenhöhlen verbergen, damit er so beim Vorübergang des Todesschreckens, des Gerichts, beschützt werde. Hier wird der Zusammenhang mit dem alttestamentlichen Pessach (Ex 12) sehr deutlich, wo das Blut des Lammes am Türpfosten den Schutz vor der Todesgefahr gewährt. Der Kerngedanke lässt sich übrigens auch in einem anderen bekannten Gebet aus dem 14. Jahrhundert (um 1330) wiederfinden: «Seele Christi, heilige mich [...] Leib Christi, rette mich [...] Verbirg in deine Wunden mich [...] Vor dem Bösen Feind beschirme mich [...]» – Und nicht vergessen dürfen wir schließlich, daß später Paul vom Kreuz (1694–1775) auf dem gleichen Weg ist: «Bergt euch also in dem gekreuzigten Jesus … Wenn ihr den Gekreuzigten wirklich liebt, dann werdet ihr im Tempel eures Innern stets das Fest des Kreuzes feiern. […] Bei diesem Fest werden Gastmähler gehalten, bei denen der Wille Gottes die Speise ist nach dem Beispiel unserer gekreuzigten Liebe (vgl. Joh 4,34).»
  
Es ist nicht verwunderlich, wenn seine Zeitgenossen das Rezept dieser Heilung von Seelenschmerzen erhalten und dem Einsiedler nacheifern wollten. Darum wurde auch versucht, etwas Schriftliches festzuhalten. Das wiederentdeckte Gebetbuch wurde um 1490 fertiggestellt. Was Bruder Klaus betete und betrachtete, war eigentlich eingebettet in eine alte Tradition. Eine ähnliche Fassung ist um 1380 im Engelberger Frauenkloster (1615 nach Sarnen verlegt) entstanden (vgl. Peter Ochsenbein, in: Verfasserlexikon II, Berlin 1980, Sp. 529f.), eingebunden im sogenannten «Engelberger Gebetbuch». Aber auch die Engelberger Fassung an sich dürfte ältere Vorläufer im Raum Köln–Trier haben (vgl. Rupert Amschwand, Erg’bd. 19).
  
Bereits zwischen 1342 und 1349 entstanden jedoch die fünfzehn Passionsgebete der Birgitta von Schweden, worin sich sehr viele Übereinstimmungen mit der hier abgedruckten Version finden, die Bruder Klaus zugeschrieben wird. Wortlaut und Reihenfolge erfuhren durch Bruder Klaus nur eine geringfügige Änderung. Die Gebete von Birgitta (1373 in Rom gestorben und bereits 1391 von Papst Bonifatius IX. heiliggesprochen) dürften im 15. Jahrhundert bei den Klerikern bereits zum Allgemeinwissen gehört haben, also auch bei den geistlichen Beratern von Bruder Klaus (beide gehörten zum Konstanzer Weltklerus): Oswald Issner in Kerns und Heimo Amgrund in Kriens (später in Stans), und waren zweifellos auch bei vielen Weltklerikern in Gebrauch. Diesbezüglich eine Querverbindung anzunehmen von Bruder Klaus zum Frauenkloster in Engelberg und darüber hinaus zu den Strassburger «Gottesfreunden» um Rulman Merswin (gest. 1382), ist nicht zwingend. Zudem stand das Volk in Unterwalden damals nicht gerade im besten Einvernehmen mit den beiden Klöstern in Engelberg. Mystische Tendenzen in der Jesusfrömmigkeit gab es im übrigen fast in jedem Frauenkloster. Die Passionsgebete Birgittas wurden im 15. Jahrhundert auch gedruckt, zu erwähnen sind besonders: lateinische Ausgabe 1489 in Augsburg und die erste deutsche Fassung 1492 in Basel (• Originaltext unten •). – Dieser Hinweis ist zu verdanken: Alois und Johanna Hoffmann in Neuötting, Bayern.
  
Diese 15 Passionsbetrachtungen gehen weit eher auf Bruder Klaus zurück als die 92 Betrachtungen, welche Melchior Lussy, Johann von Lanthen und Petrus Kanisius (siehe Quelle 275) überliefern wollten, die doch zu sehr im Lauf der Zeit durch mehrmaliges Abschreiben verändert, gekürzt und auch wieder erweitert wurden.
  
Referenz: Rupert Amschwand, Ergänzungsband, 19–23 (unter Mitwirkung von Peter Ochsenbein, Stiftsbibliothekar St. Gallen, ab 1990 Professor für Mediävistik in Basel).

  

   Wenn ihr fünf Pater noster, fünf Ave Maria, das Schuld- und Glaubensbekenntnis, das Salve Regina und das Gebet für die Verstorbenen gebetet habt, dann sind es noch fünfzehn Abschnitte. Jeden müsst ihr mit einem Pater noster beginnen, dann kommt der nächste Abschnitt und immer zwischen den Abschnitten ein Pater noster. Wenn ihr die fünfzehn Abschnitte und die Pater noster gebetet habt, dann habt ihr das Gebet von Bruder Klaus.
  
1. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an alle deine Glieder; es gibt kein Glied, das nicht sein eigenes Leiden hat. Herr, gedenke, dass du dich der Menschheit annimmst, um der Menschen willen. Ich sage die Ehre, Lob und Dank für all deine Leiden. Als du das Abendmahl mit deinen Jüngern assest, da lehrtest du sie liebevoll und gabst ihnen deinen heiligen Leib als Speise und dein gesegnetes, heiliges, rosenfarbenes, kostbares Blut als Trank. Herr, gedenke, dass du Blut schwitztest wegen den Sündern. Du wurdest gebunden und gefangen. Die Kleider wurden dir vom Hals weggezogen. Du wurdest sehr geschlagen, ohne jegliches Erbarmen. Du wurdest gekrönt mit einer Dornenkrone und in dein Antlitz geschlagen, so dass Blut herrunterrann an deinem heiligen Leib. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, gib mir armem Sünder um das Andenkens deines grossen Leidens und deiner Marter willen am Ende meines Lebens eine wahre Busse und Erlösung von allen meinen Sünden.
  
2. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an das Heraustreten aller deiner Adern; keine von ihnen war mehr im Leibe. Du vergassest deine schwere Betrübnis und sprachst am heiligen Kreuz: «Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, dass diese Betrübnis mir armem Sünder zur Nachlassung all meiner Sünden werde, so dass ich dann das ewige Leben habe.
  
3. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an das Schwinden deiner Kräfte. Wenn du kraftlos wirst, dann stürze nicht zu Boden, damit du das heilige Herrenkreuz zur schrecklichen Stätte deiner grossen Pein und Marter tragest, unter grosser Schmach und Verspottung aller deiner Feinde. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, verleihe mir die Gnade, in deiner göttlichen Liebe den Feinden standzuhalten, durch dieses Leben hindurch, zum ewigen Leben.
  
4. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, Schöpfer der ganzen Welt, ich erinnere dich an das Zerreissen deiner Glieder; sie zogen dich an Riemen auseinander und rissen deine Adern auf. Andere deiner Glieder waren unverletzt. Dir wurden mit stumpfen Nägeln Hände und Füsse durchbohrt. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, du mögest mir all meine Sünden und Missetaten vergeben.
  
5. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich, wie du umringt warst von all deinen Feinden, sie standen um dich herum wie grausame Löwen, um dich zu peinigen mit vielen Foltern, von denen vorher niemand etwas gehört oder gesehen hatte. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, durch die Bitterkeit deiner Pein, du mögest mir noch auf dieser Erde die Befreiung von all meinen Feinden schenken, so dass sie meiner Seele nicht mehr schaden können und ich ein Leben habe bei dir und nach diesem Leben das ewige Leben.
  
6. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an die Flucht all deiner Freunde. Keiner blieb bei dir ausser die Magd und Mutter Maria und der liebe Herr Sankt Johannes. Am heiligen Herrenkreuz sprachst du: «Frau, nimm deinen Sohn an.» Magd, Mutter Maria, ich erinnere dich an die schwere Betrübnis, als du deine heilige Leibesfrucht so sahest, aufgespannt am heiligen Herrenkreuz, mit strähnigen Haaren, bespeitem Antlitz, durchbohrten Händen und Füssen. Ich bitte dich, Magd, Mutter Maria, um des angsterfüllten Geschehens und des Schwertes willen, das deine Seele zerriss, du wollest mir von deinem Kind, unserem Herrn Jesus Christus, erwerben, dass die grosse Pein und Marter meines lieben Schöpfers in meinem Herzen nie mehr vergessen wird.
  
7. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an den jammervollen Schrei, als du riefst: «Mich dürstet.» Herr, es dürstete dich nicht nach irdischem Trank, es dürstete dich nach Heil und Seligkeit der Menschen. Ich bitte dich, lieber Herr Jesus Christus, um der grossen Liebe willen, die du zu den Sündern hattest, dass du mein Herz erwecken wollest in deiner göttlichen Liebe. So kann ich das ewige Reich und das ewige Leben erwerben.
  
8. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an den bitteren Trank, der die dargeboten wurde, Essig und Galle. Herr, du trankst ihn für uns. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, du wollest mir deinen heiligen Leib zu einer Speise und dessen gesegnetes heiliges, kostbares Blut zu einem Trank geben. Denn dadurch kann ich das ewige Reich und das ewige Leben erwerben.
  
9. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an die schwere Betrübnis, als du sehen musstest, wie dein grosses Leiden und deine Marter für manche Menschen vergebens waren. Dies, o Herr, hat dein Herz schwer betrübt. Ich bitte dich um dieses Kummers willen, du mögest mir all meine Sünden und Missetaten vergeben und mir in der Todesstunde deine milde Barmherzigkeit geben.
  
10. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an den Schrei, als du am heiligen Herrenkreuz riefest: «Eli, eli lema sabachtani – mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.» Ich bitte dich, Herr Jesus Christus: Verlasse mich nicht in meiner Todesstunde, nimm mich in deiner göttlichen Gnade auf. So werde ich bei dir sitzen im ewigen Reich und im ewigen Leben.
  
11. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an deine heiligen Wunden. Es waren 5560. Damit hast du alle aus dem Leiden des Fegefeuer befreit, die deinen Willen getan haben. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, du mögest mit deinem heiligen, rosenfarbenen Blut all deine Pein und Marter in mein Herz hineinritzen und hineinschreiben. Und ich bitte dich, Herr Jesus Christus, du wollest mir die Gnade geben, dass ich sie nie mehr vergesse. Allen, die dann in deinem Willen aus diesem Jammertal scheiden, mögest du die ewige Ruhe, die Seligkeit und das ewige Leben schenken.
  
12. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an das Ausfliessen deines rosenfarbenen Blutes. Als du bereits blutlos warst, wurdest du mit einem scharfen Speer durchstochen. So wie Adam blutlos war, als er aus Erde erschaffen wurde und ihm dann die Seele eingegossen wurde. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, um die Süssigkeit deines heiligen rosenfarbenen Blutes willen mögest du mich waschen mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Denn dadurch kann ich das ewige Reich und das ewige Leben erwerben.
  
13. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an die Tiefe und Weite deiner heiligen Wunde. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus, verleihe mir Sinn und Vernunft, damit ich allezeit deine heiligen Wunden in meinem Herzen trage und mich deine heiligen Wunden stark machen, hin zum ewigen Leben.
  
14. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an die tiefen Wunden, die du erlitten hast für die Sünder. Ich bitte dich, Herr Jesus Christus: Stosse meine Seele in die Löcher und Höhlen deiner tiefen Wunden. Und wenn dein strenges Gericht vorübergeht, dann mögest du mich so in deiner Gnade erhalten.
  
15. Pater noster ...
Lieber Herr Jesus Christus, ich erinnere dich an das sanfte und süsse Wort, als du ergeben sprachst: «Mein Gott, in deine Hände befehle ich meinen Geist.» Lieber Herr Jesus Christus, ich bitte dich und befehle Leib und Seele in deine Hände, ich bitte dich, Herr Jesus Christus, dass du mir armem Sünder in meiner Todesstunde deine masslose Barmherzigkeit schenken mögest, damit all diese Pein und Marter an mir und an allen Sündern nicht verloren sei.
  

  
Originaltext des Gebets von Birgitta von Schweden in der Basler Inkunabel 1492:

  
Das andechtig zirgklögglyn des lebens vnd lidês christi
nach den vviiij stunden vßgeteilt.

  
Sant Brigitten gebettly.

  
Herr iesu christe, durch die bitterkeit so du gelitten hast am krütz, bekunder da dyn sele vom lib schied, erbarm dich über myn sele so sy võ hynnê scheidt,
  
Amê
  
Die vorred.
  
WIr lesen/ dz dize nachgeschriben fünffzehen gebettly/ von dem seligen lyden vnsers herrê iesu christi/ gar groß verdienê/ gnad vñ applaß/ dem menschen erwerbend/ Als dên sant brigitten der heiligen küngin võ sweden/ von gott dem herrê geoffnet ist/ Besunder als sy begerte ira ze offembaren/ wie vil wundê vnser herr iesus in synem lyb gehept/ vnd für die sündere gelittê hab/ ward ir geoffnet/ die zal/ nemlich/ fünff thusent/ vierhundert vñ sechtzig wundê/ Welicher mensch die selben wunden alle eren wœlte/ der mag eyn gãtz iar alle tag sprechen/ fünffzehê Pater noster/ vñ so vil/ Aue maria. Das trifft sich eyn gantz iar vmb/ so vil als die zal der heiligen wurden innhalter/ Also/ eyn gantz iar all tag fünffzehê Pater noster gebettet/ so hastu alle vnd yeglich wunden christi erlich gegrüßt vñ geeret/ Da mit ward sy vnderwißt/ dz sy dise nachgemeltê gebettly solte darzů sprechê/ zů yeglichem Pater noster/ eyns/ Stat daby/ daz alle die sœlich gebettly vñ fünffzehen Pater noster alle tag eyn gantz iar vß/ bettêd mit andacht/ dz die erwerbend vmb vnserê herrê dise ding/
  
Des ersten/ dz sy fünffzehen selê irs geschlechts vñ gesippt vß dê vegfhür erlœsend/
Vñ fünffzehen ir fründe/ die in gütem wandel in zitt lebêd gesterckt und bestetiget werdê in gůtem/ Vnd fünffzehê sünder võ irem süntlichê lebê/ in eyn gůt bůßfertig lebê verwandlet werdê/ Vñ der mêsch selbs der diß bettet/ verdient vmb gott/ eyn selig bůßwürckend leben/ bekantnuß des gœttlichen willens/ vnd eynen seligen stat zů volkommenheit/
uñ dz im vor synem ende der zart fronlichnam vnsers herren verlyhê wirt ze nyeßen/uñ in fürer nyemer me hungert noch thürstet/ und das heilig fron krütz/ wirt vnser herre für syn angesicht vffrichten ze hillft wider alles bœsen fyende mit hilff vnd bystandt/ und anderê verheißungê syner milren gnaden/ &c.
  
Das erst gebettly.
  
O Herr iesu christe, ewige süsikeit dyner liephaberen, iubel über alle frœide, vñ über alle hoffnûg vñ begyrde, heil vnd liephaber der büßendê sünder, du hast bezügt, din wollust sye by der menschen kynder, vmb des menschê willê mensch wordê, am ende der zitt,
Gedenck aller vorbetrachtunge vnd innerlicher betrüptnuß, die du in mêschlichê lib gelittê hast, da das heilsam zitt dins lydens, in dinem gœttlichê hertzê fürsehê vñ beschickt ward,
Gedenck der trurikeit vnd der bitterkeit, die die din sele leyd, als du selbs bezügtest, da du am letztê nachtmal, dinen iungeren dynem fronlichnam, vñ din blůt ze nyeßê gebt, da du ire füß wüscht, vnd mit süßen wortê sy trostest, vñ dyn künfftig lydê inen offnetest,
Gedenck herr, alles des stridlens, betrüptnuß, engstê vñ smertzens, so du in dinem zarten lib vor den lyden dins krützes gelytten hast, da du nach trifaltigem gebett, vnd nach dem blůtigê switzen, von iudas dynem iunger hyngeben, vnd von dem vßerweltê volck gefangen, von valschê gezügen verclagt, von dryen richtern vnrechtlich verurteilt, in der vßerwelten statt, in œsterlicher zitt, in blügender libs iugend, vnschuldiclich verdampt, diner eignen kleyder entplœßt, mit frœmbden smechlichê kleydern bekleydt, mit halls schlegê, ougê vnd antlit verbunden, mit baggê schlegê geslagen, an eyn sul gebunden, gegeyslet, mit thornen gekrœnt, mit eynem ror an dyn houpt geslagen, vnd mit vil andern smacheyten verletzt wurdt, Ich bitt dich herre, gib mir durch diser dyner smach vnd lydens gedechtnuß, vor dynem krütz, waren rüwen vmb myn sünde vor mynê tod, lutere bicht, volkomne ablegûg, vñ aller myner sünden gantze vergebung,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das ander gebettly.
  
O Herr iesu christe, ware fryheit aller engelê, paradiß alles wollusts, gedenck der betrüpnuß vñ des grüsels, so du empfiengt vnd lydt, da alle dine fyende, als die grymmen lœwen vmb dich stůnden, vnd dich mit halls slegê, mit verspüwung, mit roussen vnd mit anderen vngehœrtê pynen, dich bekrancktend, vnd mit allê lasterworten, vnd großen herttê verserungen, dich herr iesu christe, pyngettêd,
Bitt ich dich, lœse mich von allen mynen fyenden, sichtbarê vnd vnsichtbaren, vñ verlich mir, daz ich vnder dem schatten dyner flügeln, mit bewarung ewigs heils fundê werde,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das dritt gebettly.
  
O Herr iesus stiffter der welt, den keyn vßmessûg entlich vmbgriffê mag, der das ertrich in sin spang begrifft,
Gedenck dyns allerbittersten smertzen, den du litt, da dir din allerheiligsten hende an das krütz, mit stumppfê nageln gehefft wurdê, vñ zů durchgraben dyn allerzartesten füße, da du irs willens nit füglich werdt, smertzen über smertzen, dynen wundê zůfügtêd, vñ dich so vnmilticlich stracktêd vñ zertãntêd, nach der lenge, vñ übersitz, an den krütz,
Also dz dyne büg vñ glyder gelediget wurden võ eynander,
Ich bitt dich herr, durch diser heiligê vnd allerbitterstê pyn am krütz gedechtnuß, dz du mir gebest din heiligê forcht vñ liebe,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das vierd gebettly.
  
O Herr iesu christe, hymelscher artzat,
Gedenck des smertzens, der blœdikeit vñ der pyn, die du an dem hohen boum des heiligê krützes vffgerichtet, empfiengt, da du aller diner glyder zerryßê, dera keyns in sinem wesen bleib,
Also dz keyn smertz dynem lydê glich mag funden werdê,
Denn von der fůßsolen vff, biß in die obersten harscheittlen, was keyn gesuntheit an dir,
Vnd du doch vnbedacht aller dyner pyn, dynen vatter für dyne fyend bet, vñ sprecht,
uatter verzich inen, dên sy wüßê nit was sy thůnd,
Durch dise din barmhertzikeit vñ durch gedechtnus diss großen smertzen, verlich mir herre, dz dise gedechtnuß dyns bitteren lydens, mir sye eyn vollige vergebûg aller myner sündê,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das fünfft gebettly.
  
O Herr iesus, spiegel der ewigen klarheit,
Gedenck der gedechtnuß die du hattest, da du in dê spiegel diner allerschœnstê maiestat ansecht die fürschickung dyner vßerweltê, die durch verdienûg dins lydens solten behaltê werden, vnd die hynwerffung der großen menge der bœsen,
Vnd durch den abgrund dyner erbermde, durch den du vns verlornen vnd verzwifelten sünderen desmals mitlyden trůgt, vñ besunder dem schacher am krütz bewißt hast, da du sprecht,
Hüt wirstu by mir syn im paradiß,
Bitt ich dich, milter herr iesus, thů mir gnad vnd barmhertzikeit, in der stund myns tods,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das sechßt gebettly.
  
O Herr iesus, lieplicher küng, eyniger fründ, vñ gantz begirlich,
Gedenck der trurikeit die du hattest, da du nackend vnd ellend, am krütz hiengst, von alle dine fründ vnd bekannten wider dich stůnden, vnd du keynen trost fundt, dên alleyn dyn lieben můter, die dir in bitterkeit ir selen trüwlichê bystůnd, die du dem lieben iunger beuehlt, vnd sprecht, frow nym war din sun,
Bitt ich dich gütiger herre iesus, durch das swert des lydens, das desmals durch ir sele gieng, laß mich dich erbarmen, in allen mynen kestigungen vñ widerwertikeitê, liplichen vnd geistlichen, vnd bewise mir trost in zitt der betrüptnuß, vñ in der stuñ myns tods.
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das sibend gebettly.
  
O Herr iesus, brunn der vnerschœppflichê miltikeit, der vß innerclichê begirden am krütz sprecht,
Mich türstet,
Nemlich nach dem heil der menschen,
Wir bitten dich dz du vnser begirdê anzündest, zů allen volkomnen wercken, vñ den turst nach den fleischlichen begirden, vnd die hitz zittlicher wollüsten, in vns gantz vñ gar külest vnd lœschest,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das achtist gebettly.

O Herr iesus, der hertzê süßikeit, vñ große süße wûn der gemüt, durch bitterkeit der gallen vnd des essich, so du für vns versůcht vnd gelitten hast,
uerlich vns in der stund des tods, din heilig fleisch vnd blůt wirdiclich ze nyeßen, zů seliger artznye vñ trost vnser selen,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das nünde gebettly.

O Herr iesus, küngliche tugend, vnd hertzliche frœide, vñ gemüts iuflikeit,
Gedenck der engstê vñ smertzen, die du gelitten hast, da vor großer tods bitterkeit, vñ der iuden beschryung, du mit großer stymm vßrůfftist, als ob du võ gott dinem vatter verlaßen werest, vñ sprecht,
Myn gott, myn gott, wie hastu mich verlaßen,
Durch die selben großê angstberkeit bitt ich dich, dz du vns in vnsern engstê nit verlaßest herr vnser gott,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das zehend gebettly.
  
A Herr iesus, anfang vñ ende, vereynung vnd krafft in allem mittel,
Gedêck wie du du dich vom oberstê dins houpts, biß zů der fůßsolê, in wasser dins lydens ingesenckt hast,
Vnd vmb dyner wunden wijte vnd lenge, vnderwise mich durch ware liebe, din gar wijt gebott volbringen, aller sündê übel hin gelegt,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das eylifft gebettly
  
O Herr iesus, abgrund der allertieffisten barmhertzikeit,
Ich bitt dich durch tieffe aller diner wunden, die durch dins fleischs vñ margs vnd diner glyder march durchtrungen sind, dz du mich ingetûcktê vñ in sündê versenckten vßhebest, vñ mich verbergest in den lœchern diner wûdê, vor angesicht dins zorns, biß dz din zorn vergang,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das zwœlfft gebettly.
  

O Herr iesus, spiegel der warheit, zeichê der eynikeit, bãd der liebe,
Gedenck diner vnzalbarn wunden, mit denen du vom hœchstê dins houpts, biß zů nyderist in dyn füße, verwundt, vnd mit dinem rosenfarwen blůt begossen bist, die großen burdy dins smertzê, so du in dynem iungfrœwlichen fleisch vmb vnsern willê gelittê hast,
Gütiger herr iesus, was soltest me thůn denn du gethan hast,
Ich bitt dich, schrib alle din wundê in myn hertz mit dynem roten kœstlichê blůt, in denen ich lese, dinen großen smertzen vnd din liebe, dz ich in danckbarkeit, vñ in dynem lob, biß in myn ende bestentlich beharre,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das dryzehend gebettly.
  
O Herr iesus, allerstarckister lœw, vntœtlicher vñ vnüberwyntlicher küng,
Gedenck des smertzen den du gelittê hast, da alle krafft dins libs vnd dins hertzen, dir gantz abnam, vnd du mit geneygtem houpt sprecht,
Es ist volbracht,
Durch dise angst, not vñ smertzen, erbarm dich über mich herr in der letzsten vollendûg myner hynfart, so myn sele angstbar, vñ myn geist in betrüptnuß ist,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das vierzehend gebettly.
  
O Herr iesus, eyngeborner sun des oberstê vatters, glantz vnd figur siner substantz,
Gedêck der ernstlichen beuelhnuß, als du dynen geist dinem hymelschê vatter beuelht, vnd sprecht,
In din hende beuilh ich mynen geist,
Vñ mit zerrissnem lyb, mit zerbrochnem hertzen, mit starckem geschrey, mit vffgethanen glydern dyner barmhertzikeit, vmb vnser erlœsung verscheidê bist,
Durch den selben dynen kostlichen tod, bitt ich dich herr, küng aller heiligen, daz du mich sterckest, dz ich dem fleisch, der welt, vnd dem bœsen fyend mœg widerstan, vnd der welt abgestorbê dir lebe, vñ in der letztê stund myner verscheidûg, du mynen widerkerendê geist ellêd vñ verlaßê zů dir empfahest,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Das fünffzehend gebettly.
  
O Herr iesus, warer vñ fruchtbarer rebstock,
Gedêck des übergnůgsamen vñ überflüßigê vergießens, dins heiligen blůts, das du glich als vß dem trübel, volkommenlich vßgetrottet, vnd vergossê hast, da du an dem heiligê krütz, die trottê alleyn getretten, vñ võ des ritters sper vß dyner vffgethanê sijtê, vns wasser vñ blůt geschenckt hast,
Also daz in dir nit bleib das allermynst trœppfly,
Zů letzst vff gehenckt in die hœhe, als eyn büschelly mirrens, din zart fleisch verdorret, vnd dyner glyder füchtikeit vßgeterrt, vñ das march diner gebeyn verzert ist, durch dyn bitter lydê, vñ dins kostlichê blůts vergießung,
Bitt ich dich gütiger herr iesus, nym vnd empfach myn sele am iungsten hinzug,
  
Amen. Pater noster, Aue maria.
  
Eyn besluß der sûm aller vorgeschribnen fünffzehê gebettly.
  
O Süßer herr iesus, verwûd myn hertz, dz die trehê warer penitentz, vñ diner liebe, mir syen das brot tag vnd nacht, vnd züch mich gantz zů dir, daz myn hertz dir werde eyn ewige statt vñ in wonung,
Vñ myn wandel vñ lebê dir gefalle vnd genem sye, vnd das ende myns lebens so lœblich sye, dz ich durch vnd nach vollendûg diser zitt, dich wirdiclich loben mœge mit allê dynen heiligen ewiclich, Amen.
  
Nach yeglichen fünff Pater nosteren als vor stat, so sprich diß gebettly.
  
HErr iesu christe des lebendê gotts sun,
Nym diß gebett, in der großê liebe, in dera du alle dyn wundê dyns heiligê libs gelittê hast, vñ erbarm dich über mich din arme geschœppft, N, vñ allê sündern, vnd allen glœibigen, lebendê vñ todten, gib dyn barmhertzikeit, gnad vñ applaß, vnd das ewig leben, Amen.
  
Hie enden sich sant Brigitten gebettly.
  
Transskription: Alec Pastuschinski
  
Neudeutsche Übersetzung von Dr. Joerg Sieger

    
  
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Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 16.03.2017 11:59:08