Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Johannes Trithemius – weitere Berichte
  
Quelle Nr. 204

  

  
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Zeit: 1506–1513
  
Herkunft: a) Chronicon monasterij Sponheimensis ... (Vorrede vom 31. Oktober 1506), Druck: in Johannis Tritemii Spanheimensis primo ... opera historica ... Frankfurt, 1511, S. 399; – b) Joannis Trithemij Annales Hirsgauenses [Hirsgauer Annalen], Papierhandschrift, Staatsbibliothek München, Cod. Lat. Nr. 704 (II. Band, S. 228)
  
Kommentar: Der Abt Trithemius von Spanheim hatte bereits früher in einer Predigt (6. August 1486) über Bruder Klaus berichtet (Quelle 038). Damals setzte die Nahrungslosigkeit des Eremiten als Signal für die massvolle Ernährung, da die Essgewohnheiten seiner Zeit in höheren Kreisen bedenkliche Formen annahm. Nun hebt er die Gaben des Einsiedlers als Prophet und als scharfsinniger Gelehrter hervor, obwohl Bruder Klaus nicht lesen und schreiben konnte. Weitere Gaben werden genannt: Bruder Klaus konnte die Trauernden und Schwermütigen trösten und aufrichten, er konnte unmoralisch lebende Menschen auf den rechten Weg bringen, ferner wurde er wegen seiner grossen geistigen Autorität mehrmals zum Schlichter in Streitfragen [Friedensstifter]. Seine Arbeit für den Frieden zeigte sich auch in Ermahnungen gegenüber seinen Landsleuten. «Machet den Zaun nicht zu weit!», dieser Wortlaut findet sich zwar erst später,1537, bei Hans Salat in seiner «Legende» (Quelle 233). Dem Sinn nach entsprechend finden wir diese Mahnung jedoch früher bei Trithemius: «Wenn ihr in euren Grenzen bleibt, so kann euch niemand überwinden ...» – Die Grenze als Zaun … Bei Trithemius ist auch die Begründung dazu zu finden. Die Tagsatzung von Stans – Stanser Verkommnis (vgl. Quelle 024, Quelle 208) – lässt Trithemius ebenfalls nicht unerwähnt, wo durch seinen Schiedspruch der Frieden bewahrt werden konnte. Über den Ort der letzten Ruhestätte befindet sich der ehemalige Spanheimer Abt allerdings im Irrtum, Bruder Klaus wurde bei der Pfarrkirche in Sachseln begraben. – 1506 befand sich Trithemius übrigens nicht mehr in Spanheim sondern in St. Jakob Würzburg, wo er 1516 starb.
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 582–589

  

   a) [Spanheimer Chronik]
  
In diesem Jahre (1487), dem vierten Regierungsjahre unseres Abtes Johannes Trithemius, am 25. März, starb jener berühmte Einsiedler Nikolaus in Schwyz, im Gau der Schwyzer oder Schweizer, nicht weit von Luzern, in einer wilden Einöde. Er hatte dort viele Jahre lang in grösster Armut, Erniedrigung, Geduld und Heiligkeit als Waldbruder Gott gedient und vor seinem Tode 20 Jahre ununterbrochen ohne menschliche Nahrung gelebt. Dies haben wir durch das Zeugnis des Bischofs von Konstanz, in dessen Diözese er wohnte, und anderer glaubwürdiger Personen zuverlässig erfahren. Er besass auch den Geist der Prophezeiung und sagte seinem Volke vieles Zukünftige voraus, das nachher eintraf. Der Zulauf der Pilger zu ihm, auch aus fernen Gegenden, war sehr gross, da seine Einsiedelei nicht weit vom Kloster der ewig jungfräulichen Maria von Einsiedeln lag. Dieser Gottesmann galt uns zu seiner Zeit als ein Wunder, da er, obwohl er keinen Buchstaben kannte, den Sinn der heiligen Schrift mit wunderbarem Scharfsinn beherrschte und auf alle Fragen der Gelehrten antwortete, nicht anders als einst jener heilige Einsiedler Antonius, der gelehrte Philosoph, der auch nicht lesen konnte, getan haben soll. Er liess aber nicht jedermann zur Zwiesprache zu, nur jene, von denen er erkannte, dass sie vom Geiste Gottes zum Reden angetrieben wurden. Schliesslich soll er durch Wunder geleuchtet haben.
  
b) [Hirsgauer Annalen]
  
1480 – In diesen Tagen lebte bei den Schweizern ein Mann, namens Nikolaus, aus einem Dorfe Fluo [Flüe] genannt, der aus Liebe zur überirdischen Glückseligkeit alles, was er auf der Welt besass, seine Ehefrau [Dorothea] und seine Kinder, verliess und in einer wilden, abgelegenen Einöde, nicht weit von der Luzerner Grenze im Konstanzer Bistum, ein Einsiedlerleben führte, das nicht weniger bewunderungswürdig als selten und bisher in allen Zeiten unerhört war. Wie wir nämlich aus glaubwürdiger Berichterstattung vieler vernommen haben, hat er während zwanzig Jahren gar nichts gegessen, als drei Bissen Brotes, die er, als es ihm der Bischof von Konstanz kraft des heiligen Gehorsams befahl, nur unter grösster Schwierigkeit, weil er nichtungehorsam scheinen wollte, verschlucken konnte.
  
In ganz Deutschland wurde viel über diesen Mann diskutiert; einige verehrten ihn als Heiligen, andere wollten nicht glauben, was von ihm gesagt wurde. Aber wahrlich und unbedenklich darf die Nachwelt glauben, was von seinem andauernden Fasten gesagt vvird, und dass er mehr als zwanzig Jahre nichts ass und ein heiligmässiges Leben geführt hat.
  
Aus ganz Deutschland war zu ihm ein grosser Zulauf von Pilgern und jedem gab er heilsame und den richtigen Umständen angemessene Ermahnungen, obwohl man sagt, dass ihm fremde Länder gänzlich unbekannt geblieben. In der christlichen Lebensmoral war er ein scharfsinniger, sicherer und ganz mit dem heiligen Evangelium übereinstimmender Berater, der durch Wort und Beispiel viele vom Unrecht auf den Pfad eines bessern Lebens brachte; denn er hatte eine besondere Gnade, nicht nur einfache Seelen zu ermahnen, sondern auch die Trauernden und Schwermütigen zu trösten, eine Gnade, die ihm die göttliche Kraft erteilt hatte wegen der all seitigen Reinheit seines Gemütes. Häufig wurde er auch von gelehrten Männern, die ihn damit versuchen [prüfen - vgl. Quelle 029] wollten, über die Glaubensartikel, die Sakramente, die Tugenden und Laster ausgefragt; auf alles antwortete er so klug, so katholisch und so originell, dass kein Gottesfürchtiger sich dem Eindruck entziehen konnte, die Gnade des heiligen Geistes wohne, spreche und wirke in diesem Manne.
  
Er hatte in der Einsamkeit neben seiner Klause eine kleine Kapelle, die ihm aus grosser Verehrung die Schweizer erbaut hatten. In dieser pflegte er täglich die Messe zu hören und auch öfter das Sakrament des Leibes des Herrn zu empfangen. Er lebte in beständigem Fasten, wie gesagt, ohne jegliche Nahrung, bei vielen heiligen Nachtwachen und ununterbrochenen Gebeten, die er mit frommen Tränen zu Gott sandte. Nachdem das Lob seines Namens durch das ganze deutsche Reich verkündet zu werden begann, fand täglich ein grosser Volkszulauf zu ihm statt, besonders im Sommer; fast alle nämlich, die aus deutschen Gauen zu Unserer Lieben Frau von Einsiedeln pilgerten, fanden es eine kleine Mühe, auch zu ihm zu reisen und glaubten ihrer Pilgerschaft nicht genügt zu haben, ohne Bruder Klaus zu sehen und zu sprechen.
  
Da er durch diesen grossen Zulauf und Andrang der Pilger oft in seiner Beschaulichkeit stark gestört wurde und den Ankommenden den Zutritt doch nicht versagen konnte, wählte er sich einen Ort tiefer in der Wildnis, wohin er zum Gebete beinahe jeden Tag früh Morgens oder Mittags sich zurückzog. Daher stellte er von da an sich nicht jederzeit, sondern nur zu bestimmten Stunden zur Verfügung und nicht jedermann, sondern nur jenen, die er, auf Antrieb des heiligen Geistes, als würdig vorauserkannt hatte. Es kamen nämlich auch häufig solche, die mehr durch Neugier als durch Frömmigkeit bewogen wurden und er wusste die Gründe ihres Herkommens so scharfsinnig zu erkennen, dass kein Zweifel walten kann, dass der Geist der Prophezeiung in ihm wohnte.
  
Vieles Künftige sagte er auch den Eidgenossen voraus, das diesen später begegnete. Unter anderm sagte er ihnen: Wenn ihr in euren Grenzen bleibt [mit anderen Worten: Machet den Zaun nicht zu weit! – 1535 in der Legende von Hans Salat Quelle 233], so kann euch niemand überwinden, sondern ihr werdet euern Feinden zu jeder Zeit überlegen und Sieger sein. Wenn ihr aber, von Habsucht und Herrschsucht verführt, euer Regiment nach aussen zu verbreiten anfanget, wird eure Kraft nicht lange währen. Als einstmals zwischen den Städten und den Ländern der Eidgenossenschaft ein tiefer Zwiespalt entstanden war wegen den Bürgern von Solothurn und Freiburg, deren inständige Bitte um Aufnahme in den Bund, von diesen begünstigt, von jenen zurückgewiesen wurdes einigten sie sich endlich auf den Schiedsspruch des Bruder Klaus und versprachen, was er spreche ohne Widerrede anzunehmen [Tagsatzung von Stans, Stanser Verkommnis]. Es wird ein Tag angesetzt, die Führer der Schweizer sind anwesend, die Streitfrage wird in ihrer Mitte vorgelegt und so durch die Bemühung des Eremiten der Friede gänzlich hergestellt. Bei den Schweizern stand dieser Bruder Klaus in grosser Autorität, sie nahmen in allen Zweifeln und verzwickten Fragen zu jeder Zeit ihre sichere Zuflucht zu ihm und die Ratschläge und Mahnungen dieses Mannes galten ihnen nicht anders als einst ein Orakel des pythischen Apollo. Er starb endlich im Jahre des Heils 1487 (wie wir dort erzählen werden) im Rufe der Heiligkeit und wurde in seinem Kapellchen begraben.
  
1487 – Im dritten Jahre des Abtes Blasius von Hirsau, in der fünften Römerzinszahl, im Monat März, starb der wunderbare Einsiedler Nikolaus bei den Helvetiern oder Schweizern und wurde in der Kapelle seiner Einsiedelei, wie er es gewünscht hatte, begraben. Wir haben vor sieben Jahren über ihn mehr berichtet. Dieser Eremit, der lange in der Ein samkeit lebte und in zwanzig Jahren nichts gegessen, wurde nämlich zu unserer Zeit mit Recht bewundert. Ich weiss und zweifle nicht daran, die ganze Nachwelt wird sich darüber wundern, einige werden uns der Lüge beschuldigen, andere der Unwissenheit. Aber wir sind in dieser Sache weder lügenhaft noch der Wahrheit unkundig, wenn wir das, was durch das Zeugnis von mehr als hunderttausend Menschen bestätigt ist, - nicht bloss geringen Volkes, nicht bloss der Schweizer und Luzerner, seiner Landsleute, sondern allerhöchster Fürsten, der Päpste Sixtus IV. und Innozenz VIII., des Kaisers Friedrich III. [darüber ist durch andere Quellen nichts belegt], des Erzherzogs Sigmund von Österreich, des Bischofs Thomas von Konstanz [bzw. Weihbischof] und anderer Päpste, Herzoge und Prälaten, die teils persönlich, teils durch ihre ohne Zweifel zur Feststellung der Wahrheit fähigen Gesandten, die alles bewiesen fanden -, als geschichtliche Tatsache annehmen. Keiner unserer Nachkommen darf daran zweifeln, keiner es in Zweifel ziehen, es ist heute öffentlich bewiesen und beinahe die gewisseste Ueberzeugung bei allen Deutschen, dass dieser Einsiedler Nikolaus in den letzten zwanzig Jahren vor seinem Tode nicht das geringste ass, eine weit über seine Bildung hinausgehende Unterscheidungsgabe besass, die tiefsten Geheimnisse der hl. Schrift zu ergründen verstand und vom Geiste der Prophetie erfüllt, vieles voraussagte. Wir führen ein Beispiel an, das vieles beweist.
  
[Hier folgt der bereits früher zitierte Bericht - Quelle 038] Vieles Wahre hat der erwähnte Bruder Klaus vielen Leuten vorausgesagt und ist von allen, die ihn kannten, für einen wahrhaften Knecht Gottes und einen Propheten gehalten worden. Und gewiss nicht ohne Grund. Denn da das Gerücht sich verbreitete, dass er nichts esse, haben die Eidgenossen, und namentlich die Luzerner, ihn mit grösster Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Klugheit bewacht, zuerst insgeheim, ohne dass er es merkte, dann öffentlich, mit seinem Wissen, so dass es unmöglich war, ihm durch irgendwen und durch irgendwelche Mittel und Schliche Speise zuzuführen, ohne dass ihr Spürsinn darauf gekommen wäre. Und die Wildheit dieses Volkes und der Zorn der Landleute sind allbekannt; hätten sie an dem Manne Betrug, Täuschung und Heuchelei gefunden, sie würden ihn erbarmungslos auf der Stelle getötet haben. Auch der Erzherzog Sigmund von Österreich hat seinen Leibarzt, den Doktor Burkhard von Horneck [1473 bis 1484 Leibarzt, vgl. Quelle 018, vgl. auch Durrer, 50–52], einen ebenso gelehrten Mann wie scharfsinnigen Kritiker ungewohnter Erscheinungen, der jetzt noch, als achtzigjähriger Greis, in unserer Nähe bei Würzburg lebt, zu diesem Nikolaus geschickt, um zu beobachten, ob der Ruf seines unablässigen Fastens wahr oder falsch sei. Mit sorgfältigstem Interesse überwachte er ihn mehrere Tage und Nächte und stellte mit absoluter Gewissheit fest, dass er nichts esse. Mit gleicher Sorgfalt liessen Papst Sixtus IV., Kaiser Friedrich III., der Bischof von Konstanz und verschiedene andere Fürsten die Probe machen und den Mann beobachten und alle fanden, dass der Ruf beständiger Enthaltsamkeit sich als wahr erweist. Es wird gesagt, dass er nach seinem Tode durch viele Wunder leuchte.
    
  
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