Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Zu den schönsten Texten in der Bruder Klaus Literatur zählen die drei Visionen, die Caspar am Büel (Ambühl), ein Sohn der Verena von Flüe in Altsellen, vor 1500 überliefert hatte (Quelle 068). Der Anfang der Hand­schrift fehlt allerdings. Dann folgt zuerst die Episode mit dem Frem­den, der zunächst aussieht wie ein Pilger mit Hut und Stab, dann aber sein Aussehen mehrmals ändert – Pilgervision.
  
Der vornehme Mann antwortet zwar nicht auf die Frage, woher er komme. Bruder Klaus, noch im Wohnhaus auf der Schiblochmatte im Flüeli, sieht ihn aber aus dieser Richtung herkommend, wo im Sommer die Sonne aufgeht (Sommer-Sonnenwende). Es wurde auch schon gesagt, dass die Sonne am 21. Juni in jener Richtung aufgeht, die im Weiteren auf Ein­siedeln zeigt. Wenn wir auf der Karte beim Hügel «Oberbüel» (zwischen Flüeli und Sarnen) den Azimut 52,34° (von Süden aus) setzen, sehen wir, dass das genau zutrifft. – Wie auch immer die Geografie mitspielt, viel na­he­liegender ist, dass eben die Sonne selbst aus dieser Richtung kommt. Ist der Pilger eine Verkörperung der Sonne selbst, des Gestirns oder sogar einer Per­son, die einen entsprechenden Hoheitstitel trägt?
  
Nun die Tage um die beiden Sonnenwenden hatten bei vielen Völkern eine kultische, religiöse Bedeutung – auch im Christentum samt Alt­testa­ment­licher Tradition. 275 wurde durch Kaiser Aurelian der Ge­burts­tag des «Sol Invictus» (unbesiegbare Sonne, die Sonne ist aber im Latein und im Altgriechischen grammatikalisch männlich) auf den 25. De­zem­ber fest­ge­legt. Warum aber nicht der 21., der Tag der Winter-Son­nen­wende? Dieser Gott war irgendwie eine Mischung der griechischen Götter Helios und Apollos sowie des persischen Mithras. Es wird gesagt, dass seit dem 4. Jahrhundert der Geburtstag Jesu Christi genau auf die­sen Tag, den 25. Dezember, fest­ge­legt wurde, um das alte heidnische Fest zu über­formen, zu über­höhen. Gibt es biblisch einen symbolischen Zusam­men­hang zwischen dem er­war­teten Messias und der Sonne? Ja.
  
Das letzte Buch des Alten Testaments enthält Worte des Propheten Maleachi. Der Vers 3,20 (Vulgata 4,2) lautet: «Für euch aber, die ihr meinen Namen achtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Strahlen werden Heilung bringen. Ihr werdet hinausgehen und vor Freude hüpfen wie Kälber, die auf die Weide gelassen werden.» – Wird also aus dem römischen Sol Invictus der Sol Iustitiae (Vulgata – in der griechischen Septuaginta: Hëlios Dikaiosynës, in der hebräischen Bibel: Schëmësch Zĕdakah)? In der christlichen Liturgie wurde um 800 diesem Titel ein bestimmter Tag zugeteilt. Die «Sonne der Gerechtigkeit» kommt hier aber nicht am 25. sondern am 21. Dezember zur Sprache, also am Tag der Sonnenwende. Die O-Antiphon dieses Tages lautet:
  
O Oriens,O Aufgang,
splendor lucis aeternae, Glanz des ewigen Lichtes,
et sol justitiae, und Sonne der Gerechtigkeit,
veni, et illuminakomm und erleuchte uns,
sedentes in tenebrisdie wir sitzen in Finsternis
et umbra mortis.und im Schatten des Todes.
  
Licht und Finsternis (Abwesenheit des Lichtes) werden auch an mehreren Stellen im Johannes­evan­ge­lium christozentrisch thematisiert. – Finsternis ist auch die Abwesenheit von Liebe, Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden.
  
Der Titel «Sol Justitiae» (Sonne der Gerechtigkeit) kommt nun also im christlichen Glauben Jesus, bzw. dem Messias bei Maleachi, zu. Und in der erwähnten Pilgervision? – Der fremde Pilger vom Sonnenaufgang ändert das Aussehen, legt Hut und Mantel ab, erscheint in einem blauen Kleid und geht dann seinen Leidensweg zur Kreuzigung. Er ist die Wahrheit (Joh 14,6), der die Menschen den Rücken zu wenden (vgl. Jer 32,33), während an deren Herzen ein grosses Geschwür wuchert, der Eigennutz – Lüge, Un­ge­rechtigkeit und Unfriede. Diese Wahrheit erhält ein mensch­liches Antlitz im Schweisstuch der Veronika (Legende um Lk 23,27). Schliesslich erscheint Jesus in der Pilgervision von Bruder Klaus als der Sieger im goldglänzenden Bärenpanzer. Die Bärenhaut gab es bei vielen Völkern als Panzer, der Körperform, den Muskeln, angepasst – Mus­kel­struktur von Brust und Bauch werden nachgebildet. Mehr Bewe­gungsfreiheit als bei einem Eisenpanzer oder Kettenhemd, leicht, mittlerer Schutz gegen Schwert- oder Helle­bar­den­hiebe, nicht aber gegen Stiche und Pfeile. Die Rüstung aus Bärenleder hatte bisweilen Metallbeschläge und -verzierungen, die im Sonnenlicht blitzten.
  
Im biblischen Sinne bedeutet «Gerechtigkeit» zugleich immer auch: Barm­herzigkeit und Treue. Gottes Gerechtigkeit ist also auch Barm­her­zigkeit und Treue im Sinne von Festigkeit, Beständigkeit. Jesus gilt im christlichen Glau­ben auch als der König der Gerechtigkeit, in althebräischer Sprache: «Melchi Zedek». Jesus der siegreiche Held. «Der Name Jesus sei euer Gruss», so eröffnet Bruder Klaus seine Briefe an die Räte von Konstanz und Bern (Quelle 026 und Quelle 031).
  
Die O-Antiphonen sind auch im Adventslied «Gott (Herr), send herab uns deinen Sohn» (Gotteslob 112, Kath. GB Schweiz, 304, GB ev. Schweiz 362) enthalten. Einen symbolischen Zusammenhang mit der Sonne finden wir auch in anderen Liedern der Adventszeit.
  
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Sonntag, 21. Dezember 2014 18:54 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 19.12.2014 09:24:17
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
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