Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Die eindrucksvollste Quelle über den Einsiedler im Ranft, Bruder Klaus, ist die Erzählung der «Brunnenvision» in der Engelbergversion, überliefert durch den Enkel Caspar am Büel (Quelle 068). Bruder Klaus tritt ein in einen Palast, wie in einen Tabernakel, geht ein kurze Treppe hinauf und findet in­nen einen grossen Brunnenkasten, aus dem ein Mischung aus Wein, Öl und Honig fliesst. Und obwohl es immerfort fliesst, bleibt der Kasten «wimpern­voll», verliert nicht ein bisschen seines Inhalts. Der In­halt ist ohne Mass, ohne Zahl. Diesen Brunnen finden die Menschen, wenn sie sich nach innen kehren, sich in die Tiefe ihrer Seele fort­be­wegen. Und wenn sie es nicht mehr «mit eigenen Füssen» können, müssen sie sich tragen lassen. Der Brunnen ist die Quelle des Guten, das aus Gott strömt und sich den Menschen mitteilt, die sich dem öffnen. Doch Bruder Klaus ist allein in die­sem Tabernakel. Draussen sind die Menschen mit allerlei Dingen beschäftigt, um an etwas Zählbares heranzukommen. Ihr Lebensinhalt ist die Jagd nach der Zahl. Wie sie sich auch abmühen, es gelingt ihnen letztlich nicht und sie bleiben arm. Zum Brunnen gehen sie nicht, um aus ihm das Wertvolle zu schöpfen, den Sinn und das Glück. – Und heute? Was können uns diese mahnenden, ja geradezu apo­kalyptischen Worte sagen? Sie werden nicht allen gefallen, die sie hören oder lesen.
  
Die umtriebigen Menschen auf dem Vorplatz leben am Wesentlichen vorbei; das Wesentliche des Lebens ist und bleibt ihnen verborgen. Was aber ist das Wesentliche? Um einen verborgenen Schatz zu bergen, muss man in den Berg hinein vordringen und ihn da finden. Im meta­phorischen Sinn bedeutet dies dasselbe, was Antoine de Saint-Exupéry sagte: «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Der Philosoph Heraklit in Ephesos äusserte sich auch entsprechend über das verborgene Wesen der Dinge und der Welt.
  
Vor etwas mehr als 2500 Jahren wurde im süditalienischen Kroton die Gemeinschaft der Pythagoreer gegründet, durch den legendären Pytha­goras von Samos. Eine frühantike Sekte? Ihren Vorstellungen gemäss besteht alles in der Welt aus Zahlen. Und daraus folgt die Maxime: Wer die Zahl hat, kann die Welt beherrschen (die Zahl im Singular). Heraklit, ein Zeit­genosse, sagte über die Pythagoreer: Was diese tun, sei eine «kakë technë», was bisweilen übersetzt wird als «Lügenkunst». Man könn­te auch sagen: schlechte Taktik oder schlechte Strategie. Heraklit sag­te auch: Pythagoras sei der Anführer der Schwindler (kopidoi), Meister der faulen Tricks, welcher der Vielwisserei (polymathië) huldige. Nun, mit der Zahlen­kunst konnte viel entdeckt und erfunden werden. Aber mit allem, was zu einem Zuviel-des-Guten zur Übertreibung wird, beginnt auch die «Schiefe Ebene», die rapid abwärts zeigt – die Perversion des Guten zum Schlechten. Wenn eine Lehre zu einem Wahn und zur Über­heblichkeit wird, dann ist die Wirkung schnell einmal zerstörend. Man meint, etwas zu haben oder zu wissen und ist dann selbst nur arm und erreicht das «Erbärmliche».
  
Gibt es diese «Sekte» heute noch – in mehreren wechselnden Erschei­nungs­formen – und ist die Zahl der Anhänger womöglich «Legion»? Im Laufe der Jahrhunderte sind die Pythagoreer stets im Wandel, um ihre Effizienz zu steigern. Sicher, untereinander ist Freundschaft gross ge­schrie­ben, und wenn es opportun ist, dann machen sie sich beliebt mit wohltätigen Werken, begleitet von narzisstischen Gastmählern. An­sons­ten sind diese Leute eiskalt berechnend, um stets ihre Zahlen zu mehren und sich selbst ein gottähnliches Gefühl zu geben.
  
Kannten die Autoren der neutestamentlichen Schriften die Gemeinschaft der Pythagoreer? Das letzte Buch, die Offenbarung, nennt eine Zahl 666 (Offb 13,18 – in einer Textvariante 616). Damit ist nicht eine bestimmte ominöse Zahl gemeint sondern der übersteigerte, ja magische Wahn der Zahlen – wer die Zahl habe könne die Welt beherrschen und könne bestimmen, was Wahrheit und Gerechtigkeit ist. In der Apokalypse treten drei Tiere auf mit lasterhaften Reden, je eines aus der Luft, aus dem Meer und vom Land her. Das sind die «drei Wege» die zusammen mit den sieben Planeten (Götter, die Sonne galt damals noch als Planet) die «zehn Sphären» bilden – wie es eben auch die Pythagoreer lehren. In der Spätantike versuchten diese das Christentum zu unterwandern, etwa im geistigen Zentrum der damaligen Welt: Alexandria in Ägypten. Die Ver­suche setzen sich fort im Mittelalter und in der Neuzeit.
  
Was könnte uns heute die Brunnenvision von Bruder Klaus vermitteln? Das höchste Gut ist die Hamonie der Seele mit sich selbst, so Seneca. Was ist das Rettende, Heilende und Nährende in der Seele? Das We­sent­liche finden wir im Innern des Menschen (als Wesen): Liebe (als die geistig-seelische Energie) und Weisheit. Wo ist die Quelle der Liebe und Weisheit? Wir dürfen sagen: Es ist durch unser Innerstes hindurch das Herz Gottes. Die Liebe und die Weisheit Gottes, die unsere Seele durch­strömen, sind die «Macht». Wer sich dafür öffnet, lebt wie ein frucht­tra­gender Baum am Strom des Lebens (Psalm 1,3; Jer 17,8 – auch ein Hoff­nungs-Bild der Offen­barung, Kapitel 22). Und seine Dankbarkeit schützt ihn vor Überheblichkeit. Die «Macht» ist masslos, ohne Zahl – nicht mit einer Zahl greifbar, nicht berechenbar. Ein Drittes, das untrennbar von Gott kommt, ist der Friede. Er ermöglicht das Gleichgewicht, das Glück, die Beständigkeit in uns selbst und in der Umwelt. Der Friede ist unzer­störbar. «Die Macht», die Macht der Liebe und der Weisheit, ist unendlich gross, und für «unendlich» gibt es be­kannt­lich keine Zahl. Der Inhalt des Brunnens ist unendlich viel, also ohne Zahl. Was aus dieser Quelle des Lebens fliesst, erhalten die Dürstenden kostenlos (vgl. Offb 21,6+17, Jes 55,1). – Wie ein lautes Horn ruft uns der Widerhall aus der Brunnenstube zu: «Vertrau der Macht, gib dich ihr hin!»
  
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Donnerstag, 2. Oktober 2014 10:23 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 16.09.2014 16:36:38
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
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