Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
  
Bruder Klaus in Luzern – ©TAUAV – digitally remastered by WTH
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Sakralbauten wurden im Mittelalter auf einen oder mehrere Ehrentitel geweiht. Welche Titel hatte nun die Ranftkapelle mit dem Weihedatum 27. April 1469? – Abschriften zweier Urkunden durch Johann Joachim Eichhorn (Quelle 004) nennen vier Titel: Selige Jungfrau Maria (Mutter Jesu), heilige Maria Magdalena, Kreuz­erhöhung und die 10’000 Martyrer (wörtlich im Genitiv: Martyrum, also nicht equitum oder militum = Ritter).
  
Wer waren nun diese 10’000 Martyrer? – Anfangs 2. Jahrhundert soll ein Teil einer römischen Truppe unter Achatius sich in Armenien ge­weigert haben, den heidnischen Göttern zu opfern. Darauf sollen sie auf dem Berg Ararat (Har Meni) gekreuzigt worden sein. Gedenktag ist der 22. Juni. Im 15. Jahrhundert wurden diese Martyrer von den Eidge­nos­sen, besonders von den Bernern, jährlich festlich gefeiert. – Die ent­spre­chende Legende wird oft ver­wech­selt mit einer anderen, mit der der Thebäischen Legion (Legio Thebaica). Auf den offiziellen alten römischen Listen, findet man die Thebäische Legion aller­dings nicht. Deren Martyrer wiederum fielen bei Acaunum (Saint-Maurice – später, nach 1032 in der Graf­schaft Savoyen). Präfekt der Legion war Mauritius, der später als Heiliger ver­ehrt wurde. Gedenk­tag der Thebäischen Legion ist jedoch der 22. Sep­tember. Das ist Ver­wechslung Nummer 1. Wie so oft, ver­wechselt jemand etwas und schreibt das Missverständnis in ein Buch. Dann schreiben es ein paar Dutzend Leute unüberprüft ab.
  
Wappen SavoyenAuf späteren barocken Altarbildern wird Mauritius bis­wei­len mit einem Wappen dargestellt: weisses Kreuz bis an den Rand gezogen im roten Feld. Wie ist dieses Wappen zuzu­ord­nen? Mauritius war der Patron Savoyens. Der nach ihm benannte Ort Saint-Maurice lag bis 1536 im Hoheits­gebiet Savoyens. Das Wappen gehört Savoyen und ist nicht eine frühe Form des Schweizer Wappens (dieses gibt es offiziell erst seit 1848). Ein seman­tisches Chaos zweier gleicher oder ähnlicher Feldzeichen kann kata­stro­phale Folgen haben. Wie kann man sich dann später trotzdem permanent an das Missverständnis fest­klammern und steif und fest das Falsche in Ge­schichtsbücher und «Standardwerke» schreiben. Missverständnis Nummer 2 fusst in der Irr­mei­nung, dass di­verse Schlachten allein von den Eid­ge­nossen gewonnen wor­den seien, zum Beispiel die bei Laupen 1339 und bei Murten 1476. Von beiden Schlachten berichtet in Bildern der Berner Chronist Diepold Schilling (1446–1486 Gerichtsschreiber in Bern, Onkel des Luzerner D. S.), wo jeweils die Wappen deutlich ab­ge­bildet sind. Auch Bilddokumente sind wichtig. Und der Berner Gerichts­schreiber hatte sich gewiss nicht vertan; es gab zu seiner Zeit noch keine «Schweizer­fahne». Er war übrigens mit der Berner Truppe unter Rudolf von Erlach in der Schlacht bei Murten selbst dabei.
  
Fahne Wien Laupen: Eidgenossen unter Führung Berns kämpfen «Seite» an Seite mit Sol­da­ten des verbündeten Savoyen, wel­che ihr spezifisches Feldzeichen führen (Wap­pen auf der Brust). Geg­ner waren damals nebst der Stadt Frei­burg Habsburg mit den einverleibten Zäh­ringen, Kyburg so­wie Burgund (nicht Frei­grafschaft westlich des Jura sondern Land­grafschaft Burgund östlich der Aare sowie Aarburgund nörd­lich der Aare). Allerdings ist in der Schlacht bei Laupen auf der Seite des Habsburger Herrschers ebenfalls eine rote Fahne mit einem weissen Kreuz zu sehen. Sie gehört der Truppe aus Wien (heute «Innere Stadt», seit 1278 habs­bur­gisch, Reichsstadt König Rudolfs I.)
(• Bild zeigen: Schlacht bei Laupen)
  
Und nicht unerwähnt bleiben darf, dass auch der Johanniterorden (Sou­veräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta) auch von Alters her ebenfalls das weisse Kreuz im roten Schild führt (Balken bis an den Rand). Ge­gründet wurde der Ritterorden 1048 in Jerusalem. Zahlreiche Kommenden dieses Ritterordens waren im 12. Jahrhundert in Europa verteilt, in der Schweiz etwa in Hohenrain LU, Bubikon ZH und Tobel TG. Da die Ritter an den Kreuzzügen teilnahmen und danach etlichen Herren als Söldner zu Diens­ten waren, ist das Wappen auch auf einigen Darstellungen jener Zeit zu sehen. Naheliegend ist sodann, dass Mauritius nachträglich als Kreuzritter und eben nicht nur als Patron Savoyens sondern auch als Pa­tron der Kreuzritter gesehen wurde. Das würde das Emblem, das Wap­pen, auf den späteren Altarbilder erklären.
  
Fahne Murten: Die Lage war kompliziert. Noch 1475 war Savoyen unter der Regentin Jolanthe (Yolande) von Valois mit Bur­gund verbün­det – widerwillig, von ihrem Schwager Jakob unter Druck gesetzt. Sie war die Schwester des fran­zösi­schen Königs Ludwig XI. (von Valois) und Mutter des unmündigen Herzogs Philibert. – Adrian von Bubenberg wur­de im Juli 1475 als Mitglied des Kleinen Rats von Bern sus­pen­diert. Es war ihm unter­sagt, im Namen Berns diplomatisch tätig zu sein. Dennoch nutzte er die Zeit und war auf eigene Ver­ant­wortung di­plo­ma­tisch tätig. Er hatte zu­dem Verwandte und Bekannte im savoy­i­schen Adel. Seine zweite Ehefrau kam aus La Sarraz im damaligen Sa­voy­en. Schriftliche Aufzeichnungen über diese politischen und diplomatischen Bemü­hun­gen gibt es nicht, auch nicht darüber, wo und wie er sich mit Jolanthe ge­troffen hatte und ein geheimes Abkommen abschliessen konnte. Er war der Urheber der ganzen Strategie bis hin zur Schlacht von Murten. Jolanthe vertraute seiner Führung nun ein grösseres Truppen­kontingent an, das mit der Fahne Savoyens in die Stadt Murten einzog, um sie bei einer Belagerung durch ein burgundisches Heer zu verteidigen – so dar­gestellt in der offiziellen Berner Chronik. Zudem sind auf dem Rücken die­ser Soldaten schwarze Kreuze zu sehen. Dieses Bild kann uns eine Ge­schichte in der Geschichte erzählen, es sagt mehr als tausend Worte, die damals nicht geschrieben wurden. – Offiziell stand zu dieser Zeit Mur­ten noch unter der Schutzherrschaft Savoyens (bis 25. Juli 1476), deshalb lehnte die eidgenössische Tagsatzung eine Besetzung der Stadt ab. Ein eidgenössisches Kontingent von 1000 Mann unter Führung des Zür­chers Hans Waldmann befand sich gemäss Tagsatzungs-Beschluss zur gleichen Zeit in Freiburg und sollte im Ernstfall diese Stadt ver­tei­digen. (• Bild zeigen: Einzug in Murten)
  
Die Strategie Bubenbergs war nun, das grosse Heer Burgunds vor die Stadt zu locken. Da haben wir also einen historischen Beweis. Es verging etwas Zeit bis der Herzog von Burgund dies bemerkte und den Plan durch­schauen konnte. In dieser Zeit konnten Bern und die Verbündeten, nachdem sie den Plan Bubenbergs für gut befunden hatten (sie hatten keine andere Wahl), den Auf­marsch zur Schlacht genau nach der Stra­tegie ihres noch suspendierten Ratsherrn organisieren. Es kam dann, dass in der Schlacht bei Murten, 22. Juni 1476 (Gedenktag der 10’000 Mar­ty­rer, siehe oben), auf beiden Seiten Savoyer gegeneinander kämpf­ten, da der Onkel von Herzog Philibert, Jakob von Savoyen, Graf von Romont, als Marschall ein Armeekorps Burgunds befehligte und mit der Regentin Jolanthe nicht im Einklang war. Ein kleines loyales Kontingent stand unter dem Befehl Adrians von Bubenberg. Im Zorn wegen der ver­lorenen Schlacht liess Karl der Kühne durch Olivier de la Marche die Herzogsmutter Jolanthe auf ihrem Weg von Gex nach Genf entführen, denn er war da­hin­ter­ge­kommen, dass die Regentin Savoyens seit Wo­chen gegen ihn arbeitete und den Aus­gang der Schlacht mitzu­ver­ant­worten hatte. Jolanthe konnte aber bald wieder befreit werden. – Jo­lan­the von Valois selbst hatte übrigens ein zwei­teiliges Wappen (Allianz­wappen): links das savoyische Kreuz auf rotem, rechts drei gol­dene Lilien auf blauem Grund (Wappen Frankreichs). Waren darum die als blau abgebildeten Soldaten die Leib­garde Jolanthes? Es scheint jedoch, dass es ein französisches Expedi­tionsregiment war, das König Ludwig XI. seiner Schwester zu Hilfe sandte. Murten wurde also von savoischen und französischen Soldaten unter dem Kommando des freigestellten (suspen­dierten) Berner Ratsherrn verteidigt.
  
Als Theologe und Bürger der Stadt Zürich weiss ich natürlich auch, dass die Stadtpatrone, Felix und Regula, nicht zu den 10’000 Martyrern ge­hö­ren sondern zur so genannten «Thebäischen Legion», samt Anhang aus Ägypten herkommend. Nach Martyrium und Dezimierung floh der Rest über den Rhein in den Schwarzwald, deren Gene am Südfuss des Schwarzwaldes bis heute weitergegeben werden. Der Anführer war Mauritius – Mauros, oder einfach Mohr –, der Patron Savoyens, ferner gehörten zur Legion mit Kavallerie samt Tross auch Urs, Viktor und Verena usw. Die Thebäische Legion hat ihren Feiertag am 22. September und nicht am 22. Juni. Aber eben, wenn einmal dutzendweise Irrtümer zu einem Standardwerk deklariert werden, meinen die arroganten und igno­ranten Verantwortlichen und dessen selbstdarstellender Autor, sie wür­den bei den Lesern schon damit durchkommen, dass es nicht Irrtümer sondern Wahrheiten seien. Nun, ich bin froh, dass ich diesem JEKAMI, namens «Wissenschaftlicher Beirat» nicht angehöre – ich wurde von An­fang an ausgeschlossen. Und selbstverständlich gilt auch: Ich bin nicht verantwortlich für das, was andere tun, und auch nicht für das, was an­dere nicht machen, obwohl sie es machen sollten. Anderseits kann es mir doch nicht egal sein, wenn andere mit ihrem schludrigen, ignoranten und arroganten Gehabe mit historischen Unwahrheiten dem Ansehen von Bruder Klaus Schaden zufügen.      Werner T. Huber, Dr. theol.
  
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Freitag, 23. Juni 2017 22:30 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 23.06.2017 12:00:54
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
Romanshorn, Salmsach: Wappen und Namen