Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
   Home  
   Inhalt  
   Quellenwerk  
   Brunnenvision  
   Meditationsbild  
Stanser Verk…
Adrian v. Bub…
  Und Dorothea ?  
   Suchen  
   Kontakt  
    
 nvf.ch
 
      
  
   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
1460 kam es zur Invasion im Thurgau durch Eidgenössische Truppen (ohne Beteiligung Berns) – ausgelöst durch Papst Pius II. (Piccolomini) simultan mit dem Kirchenbann gegen Herzog Sigmund von Österreich. Mit dabei war auch der hochrangige Offizier Niklaus von Flüe (Bannerherr von Obwalden). Bisweilen ist auch von einer «Eroberung» die Rede. Diese Ein­schätzung ist allerdings nicht ganz korrekt, anders gedeutet war es eine Befreiung.
  
1481/82 bewarb sich die Stadt Konstanz um die volle Mitgliedschaft in der Eidgenossenschaft. Rat und Bürger der Stadt am Bodensee stellten je­doch zugleich die Forderung, dass Konstanz die Hauptstadt des neuen «Ortes» Thurgau werde, verbunden mit der dazugehörenden Gerichts­barkeit, was jedoch nach der tatsächlichen Rechtslage nicht möglich war. Für das aussichtslose Vorhaben suchte der Rat von Konstanz Un­terstüt­zung beim Einsiedler im Ranft, der sich bereits als politischer Ratgeber einen Namen gemacht hatte. Doch Bruder Klaus konnte im Sinne der Konstanzer nicht helfen und mahnte sie, sich friedlich und als gute Nach­barn zu verhalten (Quelle 026). Diese konnten sich aber nie recht mit der Absage durch die Eidgenossen und deren Politik abfinden.
  
1477 schlossen die fünf Landorte Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus und Zug ein «Landrecht» ab. Ein weiteres Vollmitglied war der Bischof von Konstanz und eben nicht die Stadt. Doch hier lag und liegt ein Miss­ver­ständnis vor. Die Teilnahme am «Landrecht» erfolgte nicht als kirchlicher Ordinarius und Würdenträger sondern als Gaugraf des Thurgaus. Die Ministerialen des Gaugrafen ar­bei­teten seit Jahrhunderten in Arbon, auch als dann die Gaugrafen selbst in Konstanz residierten. Den Titel «Gaugraf» hatten die Alemanen von der einstigen römischen Militär­ver­waltung geerbt. Der Titel «Tribun von Arbor Felix» wurde umgewandelt zu «Gaugraf des Thurgaus». Der Tribus Arbor Felix (in der Provinz Rhaetien) wurde zum wesentlichen Teil des Thurgaus. Dessen Hauptstadt war nun traditionell Arbon. Das war auch noch der Fall, als der alemannische Gau­graf Titel und Rechte dem Bischof von Konstanz übertrug.
  
Der Thurgauerkrieg der Eidgenossen richtete sich nicht gegen den Gau­grafen sondern gegen die Schutzherrschaft und Schirmvogtei der Habs­burger – der Thurgau lag in der beanspruchten Domäne der Habsburger, des westlichen Her­zogs von Österreich, bzw. Vorderösterreich (Graf­schaften Tirol, Breis­gau, Sundgau, Habsburg, Kyburg etc.) –, die sich oft zu selbst­herrlich und anmassend verhalten hatten, besonders als bis vor Kurzem Kaiser Friedrich III. für seinen unmündigen Vetter Sigmund die vorder­öster­reichischen Lande regierte (Quelle 018). Die Habsburger woll­ten den Gau­grafen entmachten. – Den Titel «Herzog von Österreich» durf­ten zwei Habsburger gleichzeitig führen. In Vorderösterreich mit Sitz in Innsbruck war dies Sigmund (zugleich mit mehreren Grafentitel ausge­stattet), im Osten, im eigentlichen Herzogtum war es eben Friedrich (zu­gleich auch Herzog von Steiermark und Kärnten, doch König von Ungarn und von Böhmen war er nie). Die Eidgenossen wollten nun selbst die Schutz­herrschaft über den Thurgau übernehmen, ohne die rechtliche Position des Gaugrafen anzu­tasten – bestätigt durch das erwähnte Landrecht.
  
Durch das Stanser Verkommnis 1481 wurden zwar das Burgrecht der Städte Bern und Zürich (sowie weitere Städte wie Freiburg, Solothurn und St. Gallen) aufgehoben sowie ebenso das erwähnte Landrecht. Wer nun nicht selbst zu den zehn Orten gehörte, jedoch bereits Verträge mit eid­genössischen Orten hatte, wurde nun ein «Zugewandter Ort». Der Thurgau war also nicht einfach Untertanengebiet (Gemeine Herrschaft) sondern hatte einen Sonderstatus, dank des Gaugrafen, in Personalunion als Bischof von Konstanz. Das blieb de jure lange so, de facto aber hatte der Gaugraf immer weniger zu sagen. Dennoch, im 15. Jahrhundert wurde der Gegensatz zwi­schen der Stadt Konstanz einerseits sowie dem Bischof und Gaugrafen andererseits akut. Die Eidgenossen wollten aber an den bestehenden recht­lichen Verhältnissen nichts ändern.
  
Im Thurgau existierten in der Lehenshierarchie viele einzelne Herr­schaf­ten. Besonders zu erwähnen sei hier diejenige des Jakob von Rappenstein – auch «Mötteli» genannt. Er erwarb 1486/88 im Thurgau die Herrschaften Dettighofen und Phyn (ehemals Ad Fines, Grenze zwi­schen den römischen Provinzen Rhaetien und Gallien). Um 1490 heiratete er Justina Roll von Bonstetten, diese war eine Tochter des Andreas Roll von Bonstetten und der Johanna von Bubenberg (Schwester Andrians v. B.), Albrecht von Bonstetten (Quelle 015) war ihr Onkel. Jakob von Rappen­stein und die ganze Ver­wandtschaft unterstützten die Politik der Eidge­nossen und erhielten dafür 1465 das Bürgerrecht von Unterwalden. Dass sich die Rappensteiner damit als Gegner der Habsburger, welche die Schutzherrschaft über den Thurgau verloren, den Zorn Friedrichs III. und dessen Sohnes Maximilian zuzogen, ist nicht verwunderlich. Herzog Sigmund hingegen, selbst mit Friedrich meis­tens nicht in gutem Einver­nehmen, pflegte gute Beziehungen zu den Rappensteinern. – Eine nähere Verwantdte, Ursula von Rappenstein, war Priorin des Klosters St. Katharinental in Diessenhofen, als die Eidgenossen 1460 im Thur­gauer­krieg dort eintrafen und Bruder Klaus sie von der Plünderung und Brand­schatzung des Klosters abhalten konnte (Prozessakten 1618 bis 1654, Quelle 307). «… an diesem Ort werde noch viel Gutes geschehen», soll der Obwaldner Offizier von Flüe dabei gesagt haben.
  
In der ursprünglichen Rechtslage, welche die Eidgenossen als gültig aner­kannten, war es demnach unmöglich, die Stadt Konstanz zur Hauptstadt des Thurgaus zu erheben. Die Bemühungen um Vermittlung durch Bruder Klaus konnten da nichts verändern. Der Eremit konnte in seinem heute allgemein bekannten Brief in diesem Konflikt nur zum Frieden raten. Das Landgericht blieb allerdings bis 1499 (gleichzeitiger Austritt der Eidge­nossenschaft aus dem römischen Königreich) dennoch de jure bei Kon­stanz. Es wurde sei­ner­zeit 1415 (Konzil von Konstanz sowie Verurteilung und Verbrennung des Reformators Jan Hus in Konstanz) durch den römi­schen König Sigismund an die Stadt nur «verpfändet» bzw. vorüber­gehend ausge­liehen, also nicht fest übergeben (es galt darum immer noch die ur­sprüngliche Rechtslage)*, jedenfalls unter Umgehung der hier­ar­chi­schen Position des Gaugrafen. Ein Miss­verständnis seitens der Konstanzer. – De facto war jedoch das Land­gericht seit 1460 unter der Kontrolle der Eidgenossen, stellvertretend für den Gau­grafen. – Jan Hus starb am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen, der Tag ist in Tschechien auch heute noch nationaler Feiertag.
  
* Zwischen dem Prozess gegen den Dissidenten aus Böhmen, Jan Hus, 1415, während des Konzils, und der leihweise Übergabe (bzw. Verpfändung) der Gerichtsbarkeit an die Stadt Konstanz gibt es ziemlich sicher einen Zusammenhang. König Sigismund (seit 1411 römischer König sowie seit 1387 König von Ungarn und Kroatien, erst seit 1419 König von Böhmen und seit 1433 Kaiser) wollte den Gastgeber gerade für den Prozess in Konstanz mit ent­sprechenden Vollmachten ausstatten. Ein Irrtum? Ein Missverständnis? Der Voll­zug des Todesurteils sollte ja keine kirchliche sondern eine weltliche Ange­le­gen­heit sein, der Bischof und Gau­graf sollte dabei aussen vor bleiben. Offensichtlich hatten die römischen Könige immer Mühe damit, das Amt des Gaugrafen des Thurgaus richtig in ihre Hierarchie einzuordnen, obwohl es sich hier um altes römisches Recht handelte, das auf die Alemannen übergegangen war. – Der Auslöser für die Verfolgung des Magisters der Karls-Univeristät, Jan Hus, war dessen Ablehnung des durch den Pseudopapst Baldassare Cossa (Johannes XIII.) verordneten Ablasshandels. Weil König Wenzel von diesem Ablasshandel finanziell profitieren wollte, brach hier ein Konflikt aus. Das Geld sollte Cossa dessen Krieg gegen den Bischof von Rom (Papst Gregor XII:) und den König von Neapel finanzieren. Cossa berief als Gegenpapst das Konzil von Konstanz ein. Dann änderten sich die Fronten und die gesamte Lehrtätigkeit von Jan Hus wurde als Ketzerei beurteilt. Verurteilung und Hinrichtung, die Causa Jan Hus, diente in Konstanz als gewaltige Show, sie sollte die Einheit der westlichen Kirche und des römischen Königreiches einstweilen zu festigen helfen. Die Mahnung: So wird es denen ergehen, die sich den Mächtigen widersetzen, und wer die Macht hat, kann auch bestimmen (oder meint es zu können), was Wahrheit ist.
  
Herzog Sigmund von Österreich (Vorderösterreich mit Sitz in Innsbruck) schloss 1474 nach langer Feind­schaft mit den Eidgenossen einen Friedensvertrag, die «Ewige Richtung». Der Zweck war, zusammen Herzog Karl den Kühnen von Burgund zu bekämpfen, mit den österreichischen Vasallen und Kommandanten Oswald von Tierstein sowie Andreas Roll von Bonstetten. Der Herrscher von Innerösterreich (Herzogtümer Österreich, Steiermark und Kärnten), Kaiser Friedrich III., liess jedoch ausdrücklich verlautbaren, dass er den Vertrag nicht anerkenne. Sein Sohn und Nachfolger als römischer König, Maximilian I., Ehe­mann der Maria von Burgund (Tochter Karls d. K.), anerkannte den Vertrag eben­falls nicht, was schliesslich 1499 zum «Schwabenkrieg» führte sowie zum Austritt der Eidgenossenschaft (inkl. Thurgau) aus dem römischen Reich.

  
Schaltknopf: Weiter Mehr                                                                         Im Blickpunkt …

  
Dienstag, 7. Juli 2015 04:39 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
© 1998–2015 ·
nvf.ch, brunnenvision.ch und bruderklaus.eu (vormals: bruderklaus.ch)
Designed and published by Werner T. Huber, Dr. theol.

Letzte Dateiänderung: 02.07.2015 15:24:42
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
Romanshorn, Salmsach: Wappen und Namen