Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Es ist schon erstaunlich: Unverhofft entdeckte ein Arzt mit Röntgen­strahlen ein verschollenes Portrait, das sehr dem des Burgunder Her­zogs Karl des Kühnen (1433–1477) gleicht. Dies geschah 1947 in Engelberg. Der Arzt war Dr. med. Eugen Hess. Eigentlich war das Bild ins Kloster Engelberg zu Bruder Hermann Keller gebracht worden, damit es gründlich restauriert werde. Es handelte sich um das Meditationsbild von Bruder Klaus, das lange nur das «tuoch» genannt wurde. Es war mit Tem­pe­ra­farben auf Leinen gemalt worden und liess sich darum gut zu­sammenrollen. Als Tafel gefasst wurde das «Tuch» erst 1611. RoentgenbildDer Mönch hatte die Vermu­tung, dass das zentrale Rund­bild früher übermalt wurde. Die Neu­gier­de bewog ihn, das Bild in die Arztpraxis zu brin­gen, um es röntgen zu las­sen. Und siehe da, unter den oberen Farbschichten wurde plötzlich ein ganz anderes Ge­sicht sichtbar. Die Neu­gier­de des Mönchs erwies sich als Glücks­fall. Wur­de auf der un­ter­sten Schicht wirk­lich einst Karl der Kühne ab­ge­bildet? Und wo­zu?
(• grössere Abbildung)
  
Die Entscheidung, das zen­tra­le Medaillon röntgen zu las­sen, war auch aus physi­ka­li­schen Gründen richtig. Denn die für die Restau­rier­ung ver­wen­de­ten Farben waren licht­beständig und und lies­sen so auch kaum Licht durch. Es ist anzu­neh­men, dass Hermann Keller dies auch in seinem Bericht erwähnte. Doch leider ist dieser Bericht nicht mehr auffindbar – durch eine Nachlässigkeit der Verantwortlichen für das Archiv in Sachseln. Zuletzt hatte ihn Heinrich Stirnimann in Händen. Ebenso ver­schwun­den ist der Originalfilm des Rönt­genbildes. Gedruckt wurden 1981 und 1987 je die positive Um­setzung (Offsetfilm). Eine weitere Version be­findet sich di­gi­tal in dieser Website. – Spätere Ver­suche mit Rönt­gen­strahlen, das ur­sprüngliche Gesicht sichtbar zu ma­chen, schlugen jedenfalls fehl.
  
Wer wurde nun ursprünglich abgebildet? – Stirnimann hatte ver­spro­chen, dass er später in der Bildanalyse, darauf eingehen würde, welches «Modell» dahinterstünde (Der Gottesgelehrte, S. 168). Wenn er da einen Blitz­ge­danken hatte, so hatte er ihn wohl auch sofort wieder verworfen. Er ging nirgends darauf ein. «Es kann nicht sein, was nichts sein darf.» Am liebsten die Beweismittel wegschieben, vernichten? Sie sind nach 1981 jedenfalls nicht mehr auffindbar. Das trägt nicht gerade zur Glaub­würdigkeit des Dominikaners Stirnimann bei, der übrigens kein Historiker war sondern Professor für Fundamentaltheologie und Apolo­getik. Behavioral Analysis bei­seite, wie rätselhaft auch immer, Stirnimann konn­te oder wollte dann die bereits fortgeschrittene Drucklegung der Rönt­genaufnahme nicht mehr auf­halten. Steht etwa die Existenz dieser Auf­nahme quer zu einer vor­ge­fassten Theorie?
  
Der Kunsthistoriker, Peter Jezler (Dr. phil. h.c., 1997 bis August 2009 Direk­tor des Historischen Museums in Bern und Januar 2011 bis August 2014 Direktor im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen) meint: Das ur­sprüng­liche Gesicht im Zentrum des Sachsler Meditationsbildes – sichtbar auf einer Rönt­genaufnahme aus dem Jahre 1947 – habe eine gewisse Ähnlichkeit mit dem einzigen au­thentischen Portrait Karls des Kühnen, Herzog von Burgund – gemalt von Roger van der Weiden um 1460. Wieso hätte Bruder Klaus anordnen sollen, das Gesicht zu übermalen? Ja, warum denn? Die erste von mehreren Über­malungen wurde ziemlich sicher vor­ge­nom­men, bevor das Bild zu Bruder Klaus in den Ranft gekommen war. Jedenfalls konnte(n) der oder die Zeich­ner der Vorlagen für die Holz­schnitte der beiden Ausgaben des Pilger­traktats, um 1488 ge­druckt (Quelle 048), das ursprüngliche Gesicht nicht sehen. Hatte überhaupt der Einsiedler den Malern vorgeschrieben, was die ganze Komposition des Tuches bein­halten soll? Oder war es unabhängig von ihm entstanden?
  
Noch heute halten sich manche Gerüchte und Vermutungen, die sich um das «Tuch» ranken, zum Teil sogar in hysterischem Ausmass. Früher war es eine «Schreckenvision» eines Gotteshauptes, heute wird stur be­haup­tet, Bruder Klaus hätte eine geometrische Radskizze gehabt. Doch welche? Um 1488 gibt es mindestens drei verschiedene Varianten, wovon die in ein bereits gebundenes Buch mit Zirkel und Bleistift gezeichnete die ursprüngliche war (Gundelfingen: Quelle 052). Der so genannte «Pilger­traktat» erschien um 1488 in zwei Wie­gen­drucken, worin jeweils regio­na­le Idiome vorkommen: von Peter Berger in Augsburg, undatiert, sowie von Marx Ayrer in Nürnberg, datiert mit 1488. Es gibt keinen Beweis, welche Ausgabe die ältere ist. Das Vorkommen der Idiome könnte erklären, dass beide Heraus­geber und Endredaktoren je eine lateinische Vorlage hatten und dann Worte der jeweiligen Dialekte, Bayerisch und Fränkisch, be­nutzten. Die Drucker im Mittelalter hatten zumindest eine einfache Bildung und konnten nicht nur Lesen und Schreiben sondern be­herrsch­ten auch das Latein. Zudem konnten sie mit einem Zirkel um­ge­hen.
  
Die Behauptung, Bruder Klaus habe eine ein­fa­che geometrische Radskizze besessen und dann einem Maler die Anweisung gegeben, ein Be­trach­tungsbild mit sechs äusseren und ein­em zentralen Rundbild zu malen, ist ein billiges Plagiat. Einer schreibt es dem an­de­ren ab, einer plaudert es dem anderen nach. Auch wenn das «Mächtige» tun, wird es des­wegen nicht wahr. Es geht hier nicht einfach um «Ansichten». Wer so urteilt hat sich vielleicht aus Zeitnot mit der Materie nicht ernsthaft be­fassen können. Ein Kette von Hinweisen und Beweisen engt den Spielraum für Inter­pre­ta­tionen stark ein. Entstanden ist das farbige Tuch zwischen 1465 und 1475, am ehesten wahrscheinlich 1469. Es kam 1479 oder 1480 in den Ranft. Die Radskizze wurde jedoch erst später, doch frü­hesten 1481 (bis 1488) von Heinrich Gundelfingen mit Zirkel, Lineal und Bleistift in eine be­reits ge­bun­dene Handschrift gezeichnet, als Abstraktion des exi­stie­ren­den Tuches, das er selbst vor Ort gesehen hatte. Kein Besucher vor ihm erwähnt es. Was dann der anonyme «Pilger» schreibt ist eine um­ständliche und miss­verständliche Deutung des Tuches. Der Ausdruck «Radbild» hängt damit zusammen, dass im Latein für «Lichtstrahl» und «Radspeiche» die gleichen Wörter benutzt werden: «radius» bzw. «radiolus». Die Maler des Tuches hat­ten kaum die Idee eines Rades vor Augen sondern als Gestaltungsidee die sechs­strahlige Symmetrie. – Im Zentrum wurde der Mensch als Ebenbild Gottes (Spiegel) dar­ge­stellt, also nicht Gott selbst. Dies ist sodann das spirituelle Leit­thema des Tuches.
  
Sehr schade jedenfalls, dass in Sachseln Beweismittel und wertvolle Ge­gen­stände einfach so verschwinden! Und nicht tolerierbar ist, dass man Tat­sachen verwirft eben gerade auch weil wichtige Beweismittel ver­schwun­den sind.
  
Heinrich Stirnimann: «Daß Bruder Klaus die Radskizze mit ‹geometrisch-zen­trierter› Grundstruktur täglich meditierte, geht schon daraus hervor, daß er die Skizze, bzw. das Bild. ein buoch nennt, in dem er die kunst diser lere (die Lehre der Drei­einigkeit) studiere.» (Heinrich Stirnimann, Mystik und Metaphorik, in: Haas Alois M. und Stirnimann Heinrich, Hg., Das «einig Ein», Studien zur Theorie und Spra­che der deutschen Mystik, Dokimion Band 6, Freiburg Schweiz, 1980, 242, Anm. 192) – Was nennt der Eremit nun «ein buoch», die Skizze oder das gemalte Bild? Ein einzelner Zettel ist noch kein Buch. Der Satz Stirnimanns, eingebettet in seine Mandala-Theorie, bringt diesbezüglich keine Klarheit, keinen Beweis, kein Indiz. Können wir auch davon ausgehen, dass Bruder Klaus durch­aus zu etwas Ironie fähig war? «buoch» ist wohl ironisch gemeint, im über­tra­ge­nen Sinn, als Metapher. Das gemalte Bild, ein Leinentuch mit Temperafarben, war zudem so be­schaffen, das es gerollt werden konnte, es war keine Tafel son­dern ein mobiles Andachtstuch, wie es davon in jener Zeit mehrere gegeben hatte. Zudem, in frü­heren Zeiten gab es auch Buch-Rollen. – Hätte der Einsiedler gemäss der Skizze so meditiert und die Trinität erklärt, wie es der Autor des Pil­ger­traktats ihm in den Mund legt, wäre das nach dem Konzil von Florenz (Den­zinger 1331/32) häretisch gewesen. Hätte Bruder Klaus wirklich Solches gesagt? Nein. Fakten, nicht chao­tische Theorien, darum muss es hier gehen.
  
Prof. H. Stirnimann (†2005) zeichnete zusammen mit Ernst Walder (†2000) und Niklaus von Flüe (†2013, Historiker, Dr. phil., zuletzt in Kerns OW) auch für den Artikel über Niklaus von Flüe im Historischen Lexikon der Schweiz. In dessen Fassung vom 01.04.2010, über­ar­beitet vom Historiker Dr. phil. Niklaus von Flüe, wird das gemalte Betrachtungsbild er­wähnt und keine «geo­metrische» Radskizze: «Eine weitere Beson­der­heit der Bruder-Klaus-Rezeption ist die Symbolik des Betrach­tungs­bildes, welches der Einsiedler in seiner Zelle hatte. Dargestellt ist ein sechs­spei­chiges Rad mit dem ge­krön­ten Haupt in der Nabe. Das Bild, das im Gross­raum Oberrhein ent­standen ist, gilt als beachtenswertes Beispiel sym­bo­lischer Malerei mit tiefem theol. Gehalt.» (• Link)
  
Herzog Karl der Kühne, Oberhaupt des Ordens der Ritter vom Goldenen Vlies, bemühte sich um die notwendigen Stimmen der sieben Kurfürsten, um als Rö­mischer König gewählt zu werden. Doch der noch amtierende König des Heiligen Römischen Reiches und zugleich Kaiser, der Habsburger Friedrich III. wollte dies mit allen Mitteln verhindern. Dieser zettelte einen Putsch an, um den Kurfürsten und Erzbischof von Köln abzusetzen. Ruprecht von der Pfalz wie auch dessen Bruder Pfalzgraf Friedrich standen bereits auf der Seite des Burgunder Herzogs. Aber der Rest ist bekannt: Karl der Kühne starb in der Schlacht bei Nancy in Lothringen 1477. Seine Tochter (einziges Kind) hatte den künftigen König geheiratet, Maximilian von Österreich, Sohn Friedrichs III. – Als möglichen Auf­traggeber für das Meditationstuch nennt Heinrich Stirnimann den Basler Kauf­mann Hans Irmi den Jüngeren, der zugleich auch als Diplomat und Anwalt in Diensten des Herzogs von Burgund tätig war. Den Hinweisen folgend sollte es wohl ein Geschenk sein für den Herzog. Es war in jedem Fall ein mobiles An­dachts­tuch im Sinne eines «Spiegel des menschlichen Heils», eines Typus’, der im 15. Jahrhundert in verschiedenen Formen bedeutsam war.
  
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Mittwoch, 26. November 2014 17:01 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 27.10.2014 17:24:45
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
Romanshorn, Salmsach: Wappen und Namen