Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
  
Bruder Klaus in Luzern – ©TAUAV – digitally remastered by WTH
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Das Sachsler Meditationstuch, das einst Niklaus von Flüe gehörte, ist sozusagen ein Mind Mapping der Devotio Moderna. In der Mitte wird das Haupthema dargestellt: der Mensch als Ebenbild Gottes, als sein Spiegel. Vom zentralen Thema gehen Äste aus zu den mit ihm zusammen­hän­gen­den Seiten­the­men, ohne die das Hauptthema gegenstandslos wäre.
(• Schema öffnen, PDF)
  
Der Mensch ist Abbild Gottes (Gen 1,27), gemäss Augustinus in den drei Seelenteilen: Geist, Vernunft, Wille. Der franziskanische Theologe Bona­ventura bezieht diese Entsprechung auf die drei Personen Gottes. Bildlich kann diese Dreiheit dargestellt werden mit drei wichtigen Teilen des Ge­sichts: Auge, Ohr, Mund. Diese Idee wurzelt im Gedankengut des Petrus Lombardus. Vor der ersten Übermalung war im zentralen Medaillon das Ohr noch sichtbar, wie überhaupt das ursprüngliche Gesicht gegenü­ber dem heute an der Oberfläche erscheinenden sehr verschieden ist (• Röntgenaufnahme von 1947). – Der Mensch ist das Abbild (Ebenbild, Spiegelbild) Gottes, der regierende Fürst (hier vermutlich Karl der Kühne von Burgund) mit seiner grossen Verant­wortung ist es dazu noch in be­sonderem Masse.
  
Die sechs äusseren Rundbilder enthalten die sechs wichtigsten Momente des christlichen Glaubens: Schöpfung (oder: Jeschajahu, das Heil Jahwes, als König des Alls, bzw. beides zusammen, die Neuschöpfung, zusam­men­gefasst in Christus, vgl. Kol 1,15–17; Phil 2,10), Verkündigung Jesu, Tod Jesu am Kreuz, Geburt, Ge­fan­gennahme Jesu, Gegenwart Christi in der Messe. Die drei erst­ge­nannten Medaillons können sich auf sich die drei göttlichen Personen be­ziehen: Vater, Sohn und Heiliger Geist, oder aber einfach als Spiegel des Heils in Bezug auf Jesus Christus. Zudem wird überall in Symbolen das angedeutet, was der Mensch tun muss, um wirk­lich Abbild Gottes zu sein, nämlich barmherzig gegenüber den Mit­men­schen handeln.
  
Der Glaube wird angenommen, empfangen, im Tuch dargestellt als Wege nach innen durch drei Lichtstrahlen (radius = Lichtstrahl, oder auch: Spei­che des Rades). Drei weitere Strahlen symbolisieren den Weg nach aus­sen und zielen auf die Werke der Barmherzigkeit. Die Werke geben die Antwort auf den Glauben. Das ganze Meditationsbild erhält so eine vernetzte Struktur. Statt der Strahlen (radioli) würden wir heute Pfeile zeichnen.
  
Im Burgundischen Reich verbreitete sich die aus dem niederländischen Deventer stammende Spiritualität namens «Devotio Moderna» im 15. Jahrhundert sehr rasch, erreichte bald einmal auch Basel und erhielt dort eine wichtige Bedeutung bei den Augustiner Orden (Chorherren und Eremiten). Doch daran schieden sich die Geister, die Bevölkerung der Stadt war in den Ansichten jahrelang gespalten; ja sogar in manchen Familien stritt man sich darüber. Um das Augustiner-Stift St. Leonhard begannen fromme Laien karitative Bruderschaften zu gründen. Die Dominikanerschwestern im Klingental (Kleinbasel) wollten da nicht zurück­stehen und übten sich eifrig in karitativen Werken, sie teilten ihren geistigen und materiellen Reichtum mit den Armen und Bedürftigen. Diese «moderne» Emanzipation gefiel den Predigern (Dominikanerbrüder) in Basel gar nicht, sie wollten eine verschärfende Reform einführen (vgl. Quelle 025): Die Schwestern gehörten ihrer Ansicht nach in die Klausur und hätten auf der Strasse nichts zu suchen. Der Vorwurf der Ver­weltlichung, der noch bisweilen heute nachhallt, ist jedenfalls in negativer Hinsicht nicht berechtigt, es geht vielmehr um eine andere Form der Nachfolge Christi. So kam es schliesslich zum heftigen Konflikt, in dem die Brüder die Schwestern aus dem Kloster vertrieben. Aber diese konnten nach dem Urteil eines österreichisch-eidgenössischen Schieds­gerichts (ei­ner der Richter war Hans von Flüe, Sohn von Bruder Klaus) wieder zurückkehren und wandten sich nun ganz der neuen augus­ti­nischen Spiritualität zu, der «Devotio Moderna». Im ganzen Streit ging es eigentlich nur um dieses Thema.
  
Die Entstehung des Meditationstuches wurzelt also kaum in der alten, eher weltabgewandten Mystik sondern im aktiven Teilnehmen des Christen im aktuellen Leben der Mitmenschen, in der Aktualisierung des Evangeliums. Unter den Laienanhängern der Devotio Moderna in Basel befanden sich Handwerker und Kaufleute. Der Kaufmann und Diplomat Hans Irmi der Jüngere war zudem dem Burgunder Herzog Karl dem Kühnen sehr verbunden. 1469 mussten Stadt und Bistum Basel der bur­gun­dischen Protektion unterstellt werden, als der bisherige Schutz­herr, Herzog Sigmund von Österreich, seine westlichen Besitztümer im Elsass und im Breisgau an den Burgunder Herzog, Karl den Kühnen, verpfänden musste. Eine gute Gelegenheit, dem neuen Schutzherrn einen «Fürsten­spiegel» als Geschenk vor Augen zu halten, was ihn immer daran erinnern sollte, wie er sich als Ebenbild Gottes zu verhalten habe.
  
Die Devotio Moderna (DM) wird aber bisweilen komplett falsch beurteilt, die Tatsachen werden verdreht. Hier noch als Zitat ein Satz aus einem Buch über Bruder Klaus (von Roland Gröbli): «Während die Mystik mehr die Göttlichkeit des Menschen erkennt, betont die Devotio Moderna die Verlorenheit und Sündhaftigkeit des Menschen in der Welt.» Diese Inter­pretation ist völlig falsch. Denn, die Werke der Barmherzigkeit bei der DM zeigen klar und deutlich, dass die armen, verlorenen und sündhaften Menschen nicht ausgegrenzt sondern abgeholt werden, dass man sich um sie kümmert. Ein solcher sozialer Gedanke fehlte hingegen bei der alten und eher egozentrischen, narzisstischen Mystik. – Ohne die Her­kunft des gemalten Tuches zu kennen, hat der Autor des «Pilgertraktat» (Quelle 048) die Botschaft des Bildes sehr gut verstanden. Zudem wird dort in den Holzschnitten zu den sozialen Werken immer eine barmherzig handelnde Begine (Schwester der DM) dargestellt, die sich von Jesus unterweisen lässt (Mt 25). Die «Göttlichkeit» des Menschen ist in den monotheistischen Religionen kein Thema, ausser bei narzisstischen Sek­ten, dafür aber umso mehr die «Gott-Ebenbildlichkeit», was nicht das­selbe ist. – Die Devotio Moderna führte zu einem nachhaltigen sozialen Gesinnungswandel im deutschsprachigen Raum.
  
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Donnerstag, 17. August 2017 21:17 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 14.08.2017 13:16:18
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
Romanshorn, Salmsach: Wappen und Namen